Berlin : Die Schädlinge kehren zurück

Miniermotte und Napfschildlaus setzen Kastanien und Linden zu. Gesucht wird nach Bekämpfungsstrategien

Annette Kögel

Sie sind winzig, aber richten großen Schaden an: die Schädlinge, die den rund 415000 Berliner Straßenbäumen immer mehr zusetzen. In diesem Jahr hat der Befall mit Kastanienminiermotten im Vergleich zu 2004 wieder zugenommen, warnen jetzt die Fachleute vom Pflanzenschutzamt. Vor allem in den Außenbezirken wie Spandau und Reinickendorf, aber auch in Kreuzberg und Lichtenberg kräuseln sich schon wieder die Blätter und fallen zu Boden. Gleichzeitig warnen Experten vor einem neuen Schädling. Die „wollige Napfschildlaus“ hat sich in Mitte am Potsdamer Platz und am Berliner Dom rasant vermehrt und bedroht auch den Boulevard Unter den Linden: Die einem Wattebausch ähnelnde Laus klebt sich regelrecht an den Stamm und saugt den Saft aus der Rinde.

Wer durch die Stadt geht und in die Baumkronen schaut, der sieht es schnell: Alle 48000 weißblühenden sowie die 12000 rotblühenden Kastanien in der Stadt sind von der Miniermotte befallen, deren Larve sich durchs Blatt frisst (s. Kasten). „Dieser Sommer war bislang trotz der Regenperioden wärmer als der vergangene, deswegen vermehrt sich die Miniermotte schneller“, sagt Barbara Jäckel vom Pflanzenschutzamt Berlin. Ausnahmen sind nur die großen Straßen in den Innenstadtbezirken, hier machen sich Laubfegeaktionen vom vergangenen Jahr bezahlt. Deshalb sei der Mottenbefall noch nicht wieder auf dem Niveau von 2003.

Wie man dem zweiten großen Baumschädling beikommen will, ist unklar. „Die wollige Napfschildlaus hat sich in der Tat enorm ausgebreitet“, sagt Wolfgang Leder, beim Straßen- und Grünflächenamt in Mitte Leiter der Abteilung Baumpflege. „Vor drei Jahren war noch jede zwanzigste, dreißigste Linde befallen, jetzt ist es jede zehnte.“ Die Straßenbäume Unter den Linden seien ohnehin schon gestresst: durch die starke Asphalt-Versiegelung, durch die lang anhaltenden Trockenperioden. Durch den Befall mit der Napfschildlaus seien die Linden zwar „nicht von einem Tag auf den anderen gefährdet“. Doch langfristig können Bäume infolge des Fraßes durch die wollige Napfschildlaus sogar absterben. Napfschildlaus und Miniermotte haben eines gemeinsam: Man kann sie nicht stadtweit bekämpfen; der Senat finanziert aber erste Forschungen (s. Kasten).

Bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hieß es, man werde die Erkenntnisse der Pflanzenschützer genau verfolgen. „Wir starten auch in diesem Jahr wieder Laubfegeaktionen in der ganzen Stadt“, sagte Manuela Damianakis, Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Unterdessen bilden sich in Berlin bereits erste Fegegemeinschaften. Am Kreuzberger CarlHerz-Ufer greift gerade der Architekt Jörg Burkhardt zur Harke. „Ich spiele dort im Schatten der Kastanien gern Boule, und das Laub liegt schon wieder auf der Erde.“ Wie im Herbst.

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