Berlin : Die Scheibe ist rund

In Siemensstadt kämpfen die besten Frisbee-Spieler

Lena Meier

Das sind die coolen Typen aus dem Park – die Freestyler. Wenn sie eine Frisbeescheibe in die Hand nehmen, geht es nicht darum, sie möglichst weit zu werfen. Ihr Ziel ist spielerischer. Lässig fangen sie die Scheibe hinter ihrem Rücken und lassen sie anschließend auf dem Finger kreisen.

Und sie sind die Poeten unter den Fun-Sportlern: „Es ist das Spiel mit dem Wind und den vielen Möglichkeiten, die Scheibe in den Wind zu stellen“, sagt Kolja Hannemann, amtierender Europameister im Frisbee Freestyle. Die Faszination seines Sports: Es gibt keine Grenzen. „Jeder hat da seinen eigenen Stil, auch wenn die Tricks häufig dieselben sind.“

Noch bis zum Sonntag treten in Berlin 98 Freestyler mit ihren jeweiligen Stilen bei der Frisbee-WM 2006 an. Im Sportzentrum Siemensstadt. In Paaren oder kleinen Gruppen zeigen sie spektakuläre Wurf- und Fangtricks. Eine Jury bewertet die Darbietungen nach Schwierigkeit und Ausführung. Für die kleine Berliner Freestyle-Gemeinde kam der Zuschlag zur WM überraschend. Kolja Hannemann ist der Leiter des Wettbewerbs in Berlin. Er freut sich über die Möglichkeit, den Freestyle-Newcomer Deutschland als Gastgeber zu präsentieren. Zusammen mit seinem Partner Markus Hein tritt er auch im Wettbewerb an. Die beiden hatten wenig Zeit, sich vorzubereiten. Das mag unter Profis angehen. Ansonsten empfiehlt Hannemann aber, neue Tricks gut zu üben, bevor man damit auftritt.

Die Freestyle-WM ist aber nicht nur ein Kräftemessen, sondern auch eine Art Messe der Tipps und Tricks. Deshalb hat sie mit einer Party und nächtlichem Massenfreestylen begonnen. „Dabei kann man mal gucken, was andere so machen“, sagt Hannemann. „Am schönsten ist eh das freie Spiel.“ Die Topspieler kommen wie immer aus Amerika. Der amtierende Weltmeister Tom ,Lightning’ Leitner hat den Titel des Weltbesten schon 14 Mal errungen. Auch diesmal ist er einer der großen Favoriten. „Die USA haben einfach 20 Jahre Vorsprung. Die spielen schon seit den Siebzigerjahren Freestyle Frisbee.“ Deshalb sind die Spieler aus Amerika auch meistens älter als ihre deutschen Kollegen. Und der Sport habe viel mit Erfahrung zu tun, findet Hannemann. Von dieser Erfahrung kann aber jeder profitieren. Tom Leitner ist als Vorsitzender des Weltverbands der Freestyle-Spieler zwar auch viel in der Organisation eingespannt. Doch der Profi gibt sein Wissen gerne an Anfänger weiter. „Einfach auf ihn zugehen und fragen, ob er Tipps hat“, rät Hannemann. Freestyler seien grundsätzlich entspannte Typen. „Die nehmen sich gern die Zeit.“ Kolja Hannemann muss jetzt aufs Feld. Die Hälfte ihrer Show werden er und sein Partner improvisieren müssen – der Zeitmangel. Aber wenn der Anfang entspannt gelingt, wird wohl auch sein derzeitiger Lieblingstrick, der „Flamingo Catch“, kein Problem sein: Einfach auf dem linken Bein stehen, das rechte waagrecht nach vorne strecken und die Scheibe kurz über dem Boden und hinter dem Bein auffangen.

Frisbee Freestyle WM 2006, noch bis Sonntag im Sport- und Freizeitzentrum Siemensstadt, Rohrdamm 61-64, Spandau, Sa 11-16 Uhr, So 11-18 Uhr, www. freestyleworlds2006.com

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