Berlin : Die Schlossallee kostet nur noch 400 Euro

Holger Wild

Über Lotto-Millionäre werden die Boulevard-Blätter im kommenden Jahr seltener berichten können: Statt an die dreihundert Mal im Jahr nur noch rund hundert Mal. Denn eine Million Euro, das sind bekanntlich knapp zwei Millionen Mark. Zwei Drittel der Lotto-Millionäre aber gewannen bislang nur bis 1,9 Millionen Mark - und werden die ominöse Schwelle in Euro nicht mehr erreichen.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Auf der anderen Seite werden die Lottospieler pro Tipp weniger aufs Spiel setzen. Statt 1,50 Mark sind für das Ankreuzen der 6 aus 49 Zahlen ab 1. Januar nur noch 0,75 Euro fällig - immerhin drei Pfennige weniger. Bei den meisten übrigen Angeboten der Klassenlotterie wird der Mark-Betrag ebenfalls einfach halbiert, um den Euro-Preis zu erhalten. Anders bei "Spiel 77" und "Super 6": Dort wird das Mitmachen teurer: "Spiel 77" kostet statt 2,50 Mark künftig 1,50 Euro (knapp drei Mark), "Super 6" statt zwei Mark 1,25 Euro (knapp 2,50 Mark). Dafür steigen auch die Gewinne: Beim "Spiel 77" gibt es für drei richtige Endzahlen künftig statt 77 Mark 70 Euro - fast das Doppelte. Entsprechend geht die Staffelung weiter: mit 700 Euro statt 777 Mark, 7000 statt 7777, usw. Der neue Höchstgewinn für sieben richtige Endzahlen wird sogar ganz gewaltig erhöht: Eine Million Euro werden hier künftig ausgeschüttet, statt bisher 377 777 Mark. Allerdings wird diese Summe zwischen allen Gewinnern geteilt, der Einzelgewinn hängt von deren Anzahl ab. Etwas geringer ist die Erhöhung der Gewinne bei der "Super 6", dort gibt es für zwei richtige Endzahlen im nächsten Jahr 6 Euro statt 10 Mark, 66 Euro statt 100 Mark, usf.

Für diejenigen, die ihr Wettglück weniger in herumspringenden Kugeln, als in rund-herumlaufenden Tieren suchen, wird der Grundeinsatz ebenfalls steigen. Auf der Trabrennbahn Mariendorf beträgt er ab Jahresanfang zwei Euro für die Platz/Sieg-Wette (bisher 2,50 Mark) und 1,50 Euro für die Einlauf-Wette (bisher ebenfalls 2,50 Mark). Damit steigt allerdings gleichermaßen der Wert des "Potts", von dem weiterhin 75 Prozent ausgeschüttet werden. Und diese gegebenenfalls höheren Gewinne sind auch der Grund für die - bundesweite und schon länger geplante - Erhöhung des Grundeinsatzes: So soll der Anreiz zu wetten gesteigert werden.

Doch während bei Lotto und den Pferdewetten nur Computer umgestellt werden müssen, sah sich die Spielbank am Potsdamer Platz zur Einführung eines ganzen neuen Satzes von Jetons genötigt. Alle 170 000 Spielsteine werden ausgetauscht, da die 5er künftig eben fünf Euro wert sind und nicht nur fünf Mark. Die neuen Jetons sollen außerdem fälschungssicherer sein: In ihnen funkeln andersfarbige Pigmente, kippt man sie gegens Licht, scheinen Symbole auf. Eine Million Mark gibt die Spielbank für die Euro-Einführung aus, wobei der Großteil davon für die Umrüstung der Automaten draufgeht. Am Roulettetisch beträgt der neue Mindesteinsatz zwei Euro (statt fünf Mark); auf der anderen Seite können Angeber, Ölscheichs und Unterweltgrößen sich bald vor ihren Damen mit 10 000-Euro-Jetons dicke tun - heute müssen sie sich noch mit 5000-Mark-Teilen bescheiden. An der Kasse sind die alten Jetons noch bis 30. Juni umzutauschen.

Auf eine richtig heftige Währungsumstellung müssen sich die Liebhaber von "Monopoly" einstellen: Wenn sie über Los gehen, werden sie nur noch 200 Euro "einziehen" - statt 4000 Mark wie bisher. Zur Beruhigung: Die Schlossallee wird gleichermaßen billiger. Sie kostet in der neuen Version des Gesellschaftsspiels lediglich noch 400 Euro (statt 8000 Mark). Beim Monopoly-Währungsschnitt gilt also ein Fantasiekurs von 1:20 - allerdings nur in Deutschland. In den anderen europäischen Ländern wird zu anderen Kursen auf dieselben Eurobeträge umgestellt - so gibt es mit der einheitlichen europäischen Währung auch ein einheitliches europäisches Monopoly-Preisniveau. Die Euro-Version wird allerdings erst im nächsten Jahr ausgeliefert. Bis dahin ist noch der seit den 50er Jahren unveränderte Klassiker erhältlich: Ein ideales Weihnachtsgeschenk für Nostalgiker, die ihre Deutschmark wenigstens bei Spiel, Spaß und Spannung behalten wollen.

Wie auch die Fernsehsendung "Was bin ich?" bei Kabel 1, schon ohnehin eine Nostalgikerschau erster Ordnung, demnächst zum regelrechten Gemütsbunker von D-Mark-Nationalisten werden dürfte: Hier zählt die Mark auch in Zukunft noch was. Weil es kein 5-Euro-Stück gibt, werden die Schweinderl weiterhin mit 5-Mark-Stücken gefüttert. Die dann Sendung für Sendung wiederverwertet werden, während die Kandidaten für jedes "Nein" selbstredend fünf Euro erhalten.

Aber was machen all die Quiz-Shows mit den griffigen Gewinnsummen im Titel? Zumal "Wer wird Millionär?" - heißt das jetzt "Wer will die Halbe?" Nein. Der Titel bleibt. Zu gewinnen sind eine Million Euro. Die meisten übrigen Stufen werden 1:2 umgerechnet.

Wer dann aber die Million nach Hause trägt, darf sich als Angehöriger einer deutlich kleineren Geldelite fühlen als bisher. Von etwa 140 000 deutschen Millionären bleibt - nominell - am 1. Januar nur rund die Hälfte übrig.

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