Berlin : Die schnelle Schau

Das Technikmuseum zeigt seine Fahrzeugsammlung nur selten. Zum Bus-Jubiläum öffnen sich heute die Türen – für nur vier Sonntage

Klaus Kurpjuweit

Ein vergessenes Museum öffnet seine Türen – auf Zeit. An den vier Sonntagen im September kann die sonst verborgene Nahverkehrssammlung des Deutschen Technikmuseums besichtigt werden. Die Halle an der Monumentenbrücke in Schöneberg ist sonst verschlossen. Dem Museum fehle das Personal, sagt Ulrike Andres, die Sprecherin des Museums. Möglicherweise erledigen die Wacharbeit, wie bereits in den vergangenen Jahren, die Mitglieder des Museums-Fördervereins, in ehrenamtlichem Einsatz. Denn unter den Ausstellungsstücken befinden sich viele Raritäten.

Doch dem Museum fehlt es nicht nur an Personal, sondern auch an Platz für die Sammlung, die historische Fahrzeuge der Polizei, der Feuerwehr und der Stadtreinigung ergänzen. Man wartet auf einen Neubau, um die Fahrzeuge so zeigen zu können, wie es das Konzept von Anfang an vorgesehen hat: im historischen Umfeld. Dazu gehören nachgestellte Straßenszenen ebenso wie historische Haltestellen. Verwirklichen lässt sich dieser Wunsch aber nur, wenn die früheren Lagerschuppen der Anhalter Bahn wieder aufgebaut werden. Dort soll die Sammlung dann zum Schaudepot werden.

Platz für die Ausstellung gäbe es auch woanders. Zum Beispiel in einem der zahlreichen inzwischen stillgelegten Betriebshöfe der BVG. Doch der Verkehrsbetrieb will die aufgegebenen Anlagen lieber zu Geld machen. Vermieten oder Verkaufen lautet die Parole – auch für das zuletzt aufgegebene Gelände an der Winfriedstraße in Zehlendorf. Doch auch das Museum will mit seinen Objekten das Gelände am Gleisdreieck in Kreuzberg nicht verlassen. Geld für das Mieten von Hallen habe man nicht, so Andres. Zudem seien Zwischennutzungen problematisch.

Die Nahverkehrssammlung ist ohnehin nicht mehr vollständig. Die BVG hatte die im Betriebshof Britz konzentrierte Sammlung 1993 aufgegeben. Den größten Teil übernahm das Technikmuseum, doch einige der historischen Fahrzeuge wurden auch abgegeben oder gar verschrottet. Dass die Ausstellungsstücke in Britz „überleben“ durften, war vor allem der Initiative eines BVG-Mitarbeiters zu verdanken. Der Verkehrsbetrieb hatte später kaum noch Interesse an seiner Geschichte.

Das hat sich auch heute nicht geändert. Nur selten, etwa zum 50-jährigen Bestehen der BVG, wurde ein Teil der Sammlung einem großen Publikum gezeigt. Mehr als 200000 Berliner standen am 8.April 1979 am Kurfürstendamm, als die BVG das Jubiläum mit einem Fahrzeugkorso feierte. Einen weiteren Festumzug gab es 1987 zur 750-Jahr-Feier Berlins.

Zumindest am heutigen Sonntag rollt ein Teil der alten Busse wieder über den Ku’damm. Die BVG feiert „100 Jahre Kraftomnibus“ mit einem Fest von 10 bis 17 Uhr im Betriebshof Cicerostraße 48 in Wilmersdorf. Wer dort auf den Geschmack kommt, kann mit einem Oldtimer der Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus zur Monumentenhalle fahren und sehen, was dort alles vorhanden ist.

Zum Jubiläum „100 Jahre Berliner Kraftomnibus“ hat die BVG ein Buch herausgegeben. Peter Müller-Mark beschreibt darin die ersten 40 Jahre. Der reichhaltig illustrierte Band kostet 39 Euro. Erhältlich ist das Buch in den BVG-Reisecentren im Steglitzer Kreisel und in der Müllerstraße 80 (am Busbetriebshof) in Wedding. Bestellen kann man auch per E-Mail.

0 Kommentare

Neuester Kommentar