Berlin : Die schöne Kunst der Diplomatie

Italiens Botschafter hat seinen Amtssitz mit Kulturschätzen geschmückt. Die zeigt jetzt ein Bildband

Elisabeth Binder

Seit eineinhalb Jahren ist Antonio Puri Purini Botschafter Italiens in Berlin. Und immer noch sieht er sich mit Klischees konfrontiert. Als wenn sich das Diplomatenleben nur um Cocktails, Empfänge und Dinners drehe. Aber das ist Unsinn. Puri Purini geht es darum, die Kultur seines Landes in möglichst vielen Facetten darzustellen. Deshalb wirkte er kleine Wunder, öffnete mit Hilfe seiner Freunde und eines offenbar gut funktionierenden Netzwerks die Schatzkammern römischer Museen. So brachte er Kunstwerke nach Berlin, um die Innenausstattung des einzigen richtigen Palazzo außerhalb Italiens würdig zu vervollständigen.

Zum Haus gibt es jetzt auch ein Buch: „Ein Palazzo in Deutschland. Die italienische Botschaft in Berlin“. Das wurde diese Woche vor den Augen des Heiligen Hieronymus, wie er in der emilianischen Schule des 17. Jahrhunderts gesehen und gemalt wurde, im Konferenzsaal der Botschaft präsentiert. Der Verleger Umberto Allemandi weiß zwar, dass sich Bücher über Botschaften kaum verkaufen, weil der Käufer schon ein sehr spezielles Interesse haben muss. Dank des Engagements des Botschafters sieht er bei diesem aber größere Chancen: „Es soll nicht nur ein Buch zum Anschauen sein, sondern auch zum Lesen.“ Und Italien zieht eigentlich immer. Die neuen Kunstschätze der Botschaft werden im zweiten Teil mit vielen schönen Bildern vorgestellt. Wobei der Botschafter sich als Europäer fühlt und besonders stolz darauf ist, dass er auch französische und flämische Wandteppiche und holländische Möbel besitzt. Und dass er nicht nur an alten Kunstwerken aus dem 16. Jahrhundert Interesse hat, sondern auch an modernen.

All das will er nicht nur der klassischen Kundschaft zeigen, den Kollegen aus anderen Ländern und den Spitzen der Gesellschaft, die üblicherweise auf solche Empfänge gehen, sondern auch anderen Interessierten, am liebsten jungen Leuten und Schulklassen, „weil die die Zukunft sind“. Immer freitags bekommen sie nach vorheriger schriftlicher Anmeldung die Botschaft zu sehen. Etwa 2000 Gäste haben diese Möglichkeit schon genutzt.

Das ist nicht nur eine Kunst-Lektion, sondern außerdem eine Geschichtsstunde, die auch davon handelt, wie in der einst elegantesten Villengegend der Stadt zur Nazizeit ein neues Diplomatenviertel gebaut wurde. Nach dem Krieg standen Teile des Gebäudes, die nicht für das Generalkonsulat benötigt wurden, leer, denn die Botschaften waren in Bonn. Schließlich verpachteten die Italiener einen Teil des Gebäudes an die Akademie der Wissenschaften, fügten aber eine Klausel in den Vertrag ein, nach der das historische Gebäude im Falle einer Wiedervereinigung wieder Botschaft werden solle. Das war 1987, als kaum noch jemand an eine baldige Wiedervereinigung glaubte, besonders weitsichtig. Die Restaurierung dauerte viele Jahre, aber das Ergebnis ist sehenswert. Diese Botschaft trägt die Botschaft in sich, dass die Lust am Schönen eine italienische Passion ist. Bei der Eröffnung im Juni 2003 prophezeite der damalige Bundespräsident Johannes Rau: „Von diesem Haus werden wichtige historische Impulse ausgehen für die deutsch-italienische Freundschaft. Das Buch „Ein Palazzo in Deutschland. Die Italienische Botschaft in Berlin“ (124 Seiten. 50 Euro, hrsg. von Wolfgang Schäche und Maria Selene Sconci) ist im Verlag Umberto Allemandi & C. erschienen. Wer die Botschaft an einem Freitag besichtigen möchte, schreibt einen Brief an die Ambasciata d’ Italia, Hiroshimastr. 1, 10785 Berlin.

Mit dem Bau wurde 1938 begonnen. 1943 wurde das Gebäude von Bomben getroffen. 60 Jahre später, 2003, zog die Botschaft ein.

Seit 1999 arbeiteten der römische Architekt Vittorio de Feo und sein deutscher Kollege Stephan Dietrich an der Wiederherstellung des Gebäudes.

Im April 2005 trat

Antonio Puri Purini als Botschafter an, die italienische Kultur wieder stärker ins Bewusstsein zu holen.

Mit Kunstschätzen aus den Lagerbeständen römischer Museen wurde die Botschaft auch innen zum Palazzo . Diese Engel zieren einen Fackelhalter aus dem frühen 17. Jahrundert.

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