Berlin : Die schöne neue Welt der Macianer

Spaciger Computerladen für Apple-Freunde

Thomas Loy

Spaciger Computerladen für Apple-Freunde Apple ist wie Gucci oder Prada. Was zählt, ist die Hülle. Und die Idee, einer Elite anzugehören. Entschieden haben sich die Gurus der Mac-Computer-Kultgemeinde für ein Raumschiff-Design in beige, hell-grau und hellgrün mit Aktenschränken im Avantgarde-Look der 70er Jahre. In diesem Loungeambiente mit Stehplätzen zum Surfen, Servicetheken und einem Chillout-Cafe kann der Kunde wunderbar in digitale Farbwelten versinken, Videoclips anklicken oder sich dem hypnotisierenden Bildschirmschoner des neuen Mac-Betriebssystems überlassen.

Für Apple-Enthusiasten, sogenannte Macianer, gibt es jetzt einen „Flagshipstore“ am Ernst-Reuter-Platz. In solchen Läden geht es mehr ums Repräsentieren, das Pflegen von Image und Markenbewusstsein als ums banale Verkaufen. Es gibt viel Platz zwischen den Modems und Laptops, eine Freitreppe und einen gläsernen Besprechungsraum, wo sich die Applemanager beim Strategiegespräch beobachten lassen. Leider haben sie den Ton nicht eingeschaltet. Der Raum liegt im 1. Stock und heißt nicht „Sachsen" oder „Arkona“, wie Besprechungsräume sonst so heißen, sondern „analog meets digital“.

Ein kleines Handicap ist den Applemanagern beim Flagshipstore-Einrichten unterlaufen. Draußen steht nicht groß das Apple-Logo auf dem Gesims des zweistöckigen Flachbaus, sondern „GRAVIS“. Gravis ist der größte deutsche Apple-Händler, das wissen aber nur die Macianer. Drinnen ist die Welt dann wieder in Ordnung. Überall stehen iPods und iMacs herum. Den iPod kann man auf Musikanlagen draufstecken, so verwandelt sich ein Abspielgerät aus der prädigitalen Epoche zu einem Bestandteil der Apple-„iHome“-Welt.

Ein Techniker mit roten Bartstoppeln und schlaffer Jeans bastelt gerade die letzten Komponenten des Mac-Multimedia-Wohnzimmers zusammen. Das Design fällt mit Flokatiteppich und Holzfurnierschränken weit in die analoge Zeitrechnung zurück, aber das liegt an den Boxen und dem Verstärker – die sind nämlich gar nicht von Apple. Zur Marke gehören nur die weiße Brotbox, der Apple- Mini-Computer, der alles steuert, sich aber in dieser altmodischen Hifi-Umgebung optisch nicht durchsetzen kann.

Die Applemanager scheinen sich der kauflustfördernden Wirkung ihrer iTunes und iBooks allerdings noch nicht ganz sicher zu sein. Neben den vielen Bildschirmen steht deshalb auch ein voll analoges Mini-Cabrio im Erdgeschoss. Beim Gewinnspiel ist der erste Preis ein Wochenende mit Mini-Cabrio und Picknickkorb, erst dann folgen die iPods. Sind Autos also doch noch kultiger als Computer?

Zum Glück gibt es unter der Verkaufsrubrik „Literatur“ noch richtige Bücher aus Papier. Der Schmöker „iLife 06“ berichtet von „Musik, Fotos, Filme, Podcasts, Websites - genial einfach". Und für Leser aus computerferneren Haushalten empfiehlt sich die Apple-Reihe: „Mac für Dummies“.

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