Berlin : DIE SCHÜLER

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Die Schülerinnen, die vor dem Schultor der GustavHeinemann-Oberschule (GHO) in Marienfelde stehen, sind noch geschockt. „Es ist schrecklich zu sehen, wie die eigenen Lehrer verprügelt werden“, sagt eine und fügt hinzu: „Die Lehrer tun uns nur Leid. Schadenfreude empfindet hier keiner.“ Hunderte Schüler sahen am Donnerstagvormittag mit an, wie fünf ihrer Lehrer von dem 16-jährigen Sawis J., der nicht auf die GHO geht, verprügelt wurden. Der Jugendliche habe seine 14-jährige Freundin Irene rächen wollen, weil diese von einer älteren Schülerin beschimpft worden sein soll. Als der Lehrer Wolfgang Peißker herbeieilte, „kam er gar nicht dazu, mit Sawis zu reden“, sagt der Direktor Karl Pentzliehn. „Der hat meinen Kollegen sofort niedergeschlagen.“ Trotz Nasenbeinbruchs ist Peißker gestern erschienen. „Die Schüler lenken mich ab. Ich bin wegen dieser Sache noch sehr befangen, möchte mich auch nicht weiter äußern“, sagt er.

Der Direktor betont, dass es seine Schüler waren, die übers Handy die Polizei riefen. „Einige Jüngere haben sich aber auf der Toilette versteckt, weil sie Angst hatten“, weiß er. Julia, 13, sagt: „Wir wussten nicht, ob der noch eine Waffe hat.“ Nach dem Vorfall habe der Direktor sofort das Kollegium zusammengerufen. „Wir haben auch mit unseren Schülern darüber gesprochen, ihnen genau das gesagt, was passiert ist“, sagt Pentzliehn. Nun sei herausgekommen, dass Sawis J. bereits im vergangenen November zwei seiner Schüler in der Nähe der GHO geschlagen habe. „Der Junge und das Mädchen haben aus Angst keine Anzeige erstattet.“

Bittere Ironie: Während der Schlägerei saßen nach Angaben des Direktors zwei Zivilbeamte in der Schul-Cafeteria. Sie hatten den Auftrag, früh morgens die 300 Meter entfernte Bushaltestelle zu überwachen, weil dort am Montag einem Schüler das Handy geklaut worden war. Der Direktor hatte die Polizeiüberwachung angefordert. „Den Beamten ist nichts vorzuwerfen. Sie waren mit der morgendlichen Überwachung fertig und konnten drinnen nicht mitbekommen, was draußen passiert“, sagt Pentzliehn. tabu

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