Berlin : Die Sehenswürdigkeiten des Waldes

Von der Exklusiv-Führung im Museum bis zur Fototour durch den Forst – hunderte Tagesspiegel-Leser beim „perfekten Tag für Naturforscher“

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Im Köpenicker Forst herrscht reger Verkehr. Kleine Insekten, Bienen und Käfer sausen dicht über dem Waldboden von Pflanze zu Pflanze. Vor allem winzige orangebraune Schmetterlinge, so genannte Gemeine Scheckenfalter, sind überall unterwegs. Dass es so viele sind – für Revierförster Josef Vorholt kein Wunder: „Fressen, balzen, sich fortpflanzen – damit verbringen diese Tiere eigentlich den ganzen Tag.“

Der Waldexperte streift Samstagmorgen um neun Uhr mit den ersten Tagesspiegel-Lesern durch den Köpenicker Forst. Für die Serie „Der perfekte Tag“ zeigt er den Berliner Großstädtern, was man an Sehenswürdigkeiten im Wald schnell übersieht. „Kamera mitbringen!“, hatte er gebeten. Denn viele der kleinen Waldtierchen sind tolle Fotomotive. Das hat auch Winfried Wagner aus Buckow schnell erkannt. Ganz dicht fährt er sein Makroobjektiv an die Grabwespen und die Blüten der Heidenelken und Augentroste ran. „Schön, dass man auf all das aufmerksam gemacht wird“, sagt die Dame neben ihm, „alleine würde man so viel nie entdecken.“ Winfried Wagner ist unterdessen selbst zum Fotomotiv geworden: Auf seinen Hut hat sich ein Scheckenfalter gesetzt und präsentiert seine gemusterten Flügel. Alle Kameras haben jetzt nur noch Wagners Hinterkopf im Visier.

Nicht nur die Aktion im Köpenicker Forst, auch die Tagesspiegel-Touren in Spandau und Zehlendorf am Nachmittag waren ausgebucht. Das Sommerwetter zog viele Tagesspiegel-Leser zu den Veranstaltungen im Freien: der Segelkurs auf dem Wannsee war im Nu voll, die Karten für das Freilufttheater gleich weg. Und die Sonne versüßte offenbar sogar den sonst eher sauren Kreuzberger Wein. Nach Reb-Rundgang und Weinprobe ging der Kreuzneroberger kistenweise weg. Die Berlin-Brandenburger Pfadfinder ließen indes ihre Gäste rund um ein Lagerfeuer auf ihrem Gruppengelände am Grunewald Stockbrot grillen.

Dass trotz Sonnenschein auch die Führungen in den Museen so gefragt waren, lag wohl daran, dass es viele der Angebote sonst gar nicht gibt. Im Naturkundemuseum ging es zum Beispiel in die Arbeitsräume der Präparatoren, wo sonst keiner reinkommt. Die weltweit einzigartige Fließgewässersimulationsanlage in Marienfelde öffnet ihre Türen normalerweise nur für Wissenschaftler – am Sonnabend konnten sich Tagesspiegel-Leser von Experten erklären lassen, wie hier die Wirkung von Giftstoffen auf Flüsse untersucht wird. Im Botanischen Garten zeigte Professorin Brigitte Zimmer das sonst nur ausnahmsweise geöffnete Pflanzenarchiv.

Und schließlich in der Kartenabteilung der Staatsbibliothek gab es nicht nur hundert Jahre alte Atlanten zu sehen, sondern auch etwas geschenkt: einen Stadt-Grundriss von 1830 – als das Zentrum Berlins noch rund um das Stadtschloss lag und schon am Pariser Platz aufhörte. Den Plan studierten viele der Teilnehmer nach der Führung neugierig – allerdings vor der Bibliothek in der Sonne. urs/jule

Alle Wald-Fans, die sich nicht mehr für die Förster-Touren anmelden konnten, haben vom 6. bis 19. September im Rahmen der Forstämter-Aktion „Treffpunkt Wald“ noch einmal die Möglichkeit, die Berliner Wälder zu erkunden. Mehr Informationen: www.treffpunktwald.de

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