Berlin : Die Senioren kamen, schwammen und siegten

Judith Kessler

Mit neun Jahren zappelte Martin Schmidt noch an einer Angel und lernte schwimmen. Mit neunzig Jahren war der Görlitzer am Sonnabend der älteste Teilnehmer beim alljährlichen Treffen der Senioren-Schwimmer, das der Köpenicker Sportverein Ajax zum 48. Mal veranstaltete. Schmidt war der einzige Teilnehmer in seiner Alterklasse.

"Als wir das Ganze 1954 ins Leben gerufen haben, gab es überhaupt keine Wettkämpfe für Senioren", erzählt Otto Gora, einer der fünf Gründerväter. Fast majestätisch schreitet er in weißen Shorts und mit blau-weißem T-Shirt mit Vereinslogo den Beckenrand ab. "Mit unserer Veranstaltung ist in Europa die Senioren-Bewegung in Gang gekommen. Als wir angefangen haben, traten oft nur einzelne Schwimmer an, heute hat fast jeder Verein eine eigene Senioren-Klasse." So starteten 1954 nur 130 Sportler aus 13 Vereinen. Am Sonnabend traten 490 Schwimmer aus 51 Vereinen gegeneinander an. Im Laufe der Jahre verschob sich die Altergrenze der Teilnehmer immer weiter nach oben. So waren am Sonnabend 30 Teilnehmer älter als 70 Jahre. Nicht nur zahlenmäßig hat sich einiges gewandelt: Wer früher "Senior" war, heißt heute Master. Die Internationalität des Seniorensports soll durch den englischen Begriff hervorgehoben werden. Ein Anglizismus, den Otto Gora für legitim hält: "Wir haben ehemalige Europameister, Weltmeister und Olympiasieger hier, da kann man wirklich von Masters sprechen."

Zu den "Mastern" gehört auch Bernhardt Schlüricke vom SG Neukölln. Der 82-Jährige stellte in seiner Altersklasse einen Weltrekord auf: 50 Meter Freistil in 32,73 Sekunden. Er schlang sich ein gestreiftes Handtuch um die Hüften und saß nach seinem Lauf gelassen am Beckenrand. "Ich habe in meinem Leben schon vier solcher Blumentöpfe gewonnen, da fällt der eine gar nicht mehr auf", sagte Schlüricke, der 1950 Deutscher Meister im Schwimmen war. Neben ihm saß Monika Senftleben. Auch sie stellte einen Weltrekord auf - in der Altersklasse der 60-Jährigen ."Eigentlich wollte ich bei den Weltmeister-Masters im März in Neuseeland den Rekord aufstellen. Aber was man hat, das hat man", sagte die 59-Jährige. Bei den Senioren nimmt man offenbar alles gelassener. "Siege und Rekorde sind ja gut und schön, aber das Wichtigste ist der Gemeinschaftsgedanke", meint Otto Gora.

Die Sieger jedes Jahr werden auf einem großen Ball geehert, mit "Live-Kapelle", wie Otto Gora stolz berichtet. Bis in die frühen Morgenstunden wird gefeiert und man erinnert sich an die Zeiten als der Senior noch ein Senior war.

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