Berlin : Die Show geht weiter

Neuer Tempodrom-Betreiber setzt Programm fort Noch ist kein Käufer für das Gebäude gefunden

Lars von Törne

Wer sich für die kommenden Wochen auf die Shows von Joss Stone, Otto Waalkes oder Reinhard Mey im Tempodrom gefreut hat, kann dies auch weiterhin tun. Für das Publikum soll sich trotz des am Donnerstag verkündeten Veranstalterwechsels zunächst nichts ändern. „Wir führen das Geschäft weiter, alles findet wie geplant statt“, sagt Stephan Gerhard, Geschäftsführer der Unternehmensberatungsgesellschaft Treugast, die wie berichtet ab August die Verantwortung für das Kulturprogramm in dem insolventen Veranstaltungsbau übernehmen soll.

Bisher war dafür Tempodrom-Gründerin Irene Moessinger mit einer von ihr gegründeten Gesellschaft zuständig gewesen. Die Veranstaltungen, die Moessinger angeschoben hat, will ihr Nachfolger fortsetzen. „Später wollen wir zusätzlich Eigenveranstaltungen organisieren“, sagt Gerhard und verweist auf Erfahrungen mit Kulturveranstaltungen in Hotels, für die sein Unternehmen zuständig ist.

Wer der künftige Besitzer des Tempodrom-Gebäudes sein wird, ist unterdessen weiterhin offen. Dem Insolvenzverwalter des Hauses, Udo Feser, liegen nach eigenen Aussagen mehrere Angebote von Investoren vor, die er derzeit prüft. Auch die Firma Treugast, die als Veranstalter vorerst nur Mieter in dem Haus am Anhalter Bahnhof sein wird, will sich eventuell um den Kauf bewerben. Offen ist Feser zufolge auch noch, wann und mit welchem Betreiber das kürzlich wegen Renovierungsarbeiten geschlossene Wellness-Bad „Liquidrom“ im Tempodrom wieder geöffnet wird.

Die Firma Treugast war von dem Insolvenzverwalter Peter Leonhardt als Betreiber gefunden worden, der für die Abwicklung des Tempodrom-Veranstaltungsgeschäfts zuständig war. Politisch löste die Auswahl am Freitag kontroverse Reaktionen aus. CDU und Grüne kritisierten den Vorgang als intransparent und befürchten, dass die Suche nach einem Käufer für das überschuldete Tempodrom-Gebäude durch die Herauslösung der für sich genommen profitablen Veranstaltungs-GmbH schwieriger geworden sei.

Der Verkauf des Gebäudes ist für das Land bedeutsam, da Berlin als Bürge für einen Kredit über 12,7 Millionen Euro des Tempodroms haftet. Nun hängt es von dem Verkaufspreis für den Bau ab, wie viel Geld das Land zurückerhalten wird.

Bei der FDP und auch in der Regierungspartei PDS begrüßt man, dass Irene Moessinger künftig mit dem Tempodrom nichts mehr zu tun hat. „Sie sollte nicht fortgesetzt davon profitieren, dass sie die Krise des Tempodroms herbeigeführt und Berlin Schaden zugefügt hat“, sagte der PDS-Politiker Carl Wechselberg.

Moessinger war die treibende Kraft hinter dem 2001 fertig gestellten Neubau. Dass dieser Bau mit fast 33 Millionen Euro fast doppelt so teuer wie geplant wurde und dass das Geld zum großen Teil aus öffentlichen Kassen kam, löste im vergangenen Jahr eine Affäre aus, in deren Folge der SPD- Chef und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder zurücktrat. Ein Verfahren gegen Strieder wegen Finanzhilfen der landeseigenen Investitionsbank für das Tempodrom lehnten die Gerichte jedoch ab, da die von Strieder unterstützten Millionenspritzen dem Landeshaushalt nicht direkt geschadet hätten.

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