Berlin : Die Sound-Tüftler

Stars lassen ihre Musik von Jazzanova veredeln. Auch Lenny Kravitz bat die Berliner um „Remix“

Nana Heymann

Als Rockstar Lenny Kravitz einen Auftrag für sie hatte, fühlten sie sich geehrt. Dabei sind sie ja längst selber groß. Der US-Rockstar bat die sechs Herren von Jazzanova darum, seinen Song „Breathe“ zu veredeln.

Dafür zog sich das Sextett in sein Studio am Arkonaplatz in Mitte zurück und durchforstete sein Musikarchiv nach passenden Soundschnipseln. Aus denen wurde dann ein neuer Sound für den leicht schleppenden Kravitz-Song gebastelt. Auch Jazzanova selbst präsentieren sich mit dieser Arbeit von einer anderen Seite: Sie verzichteten auf ihre sonst typischen Soul- und Jazzsamples, die ihren Produktionen bislang stets etwas Warmes verliehen haben. Ihr „Breathe“-Remix klingt dagegen kühl, fast mondän.

An einem kalten Morgen sitzt Alexander Barck, 34, einer von Jazzanova, in einem Café in der Kastanienallee und rührt in seinem Latte Macchiato. Er ist müde, seine Tochter bekommt Zähne, und er ist selbstbewusst. „Für uns gab es bei dieser Zusammenarbeit nur eine Voraussetzung: Wir wollten keine Kompromisse machen, nur weil Lenny Kravitz angefragt hat. Wir wollten das machen, was unseren Vorstellungen entspricht“, sagt Barck.

Ihre Vorstellungen: Als die sechs sich Mitte der 90er Jahre in einem Club in Mitte kennen lernten, entdeckten sie schnell ihre gemeinsame Vorliebe für ungewöhnliche, fast schon vergessene Musik. Vornehmlich aus den Bereichen Jazz, Soul oder Latin, die sie selbst auch als DJs dem Publikum präsentierten. „Wir haben naiv alte Jazzplatten aufgelegt, wofür wir anfangs noch ausgelacht wurden. Aber irgendwann fanden es die Clubbesucher gut“, sagt Barck rückblickend. In dieser Zeit wurde die Suche nach immer selteneren Platten zu einem regelrechten Wettkampf. 1997 bastelten Jazzanova ihren ersten gemeinsamen Song „Fedime’s Flight“ zusammen, den der britische Radiomoderator Gilles Peterson hörte. Er spielte das Stück in seiner Sendung – et voilà: Der Grundstein für eine Musikkarriere war gelegt. Fortan standen Gastspiele in Großbritannien, Japan und den USA an. Erst kürzlich bedankte sich auch Bundespräsident Horst Köhler nach einem gemeinsamen Abend händeschüttelnd für „die gute Musik“.

Mittlerweile wenden sich Musiker aus der ganzen Welt vertrauensvoll an die bodenständigen DJs und Produzenten aus Berlin, schicken ihnen Songs zur Veredelung ins Studio. Zwischendurch entstand mit einigen Verzögerungen auch das eigene Debütalbum „Inbetween“. Derzeit arbeitet das Sextett an der Fertigstellung einer neuen Compilation: „Paz e futbol“. Es ist eine musikalische Reise durch das Brasilien der 60er und 70er Jahre. „Die Platte soll den Hörern die komplexere brasilianische Musik zugänglich machen“, sagt Alexander Barck. Zudem erschien gerade eine weitere Platte von Jazzanova, „Kings of Jazz“. Gemeinsam mit ihrem Entdecker Peterson geben sie auf dem Doppelalbum einen Überblick über die wichtigsten Jazzproduktionen der Gegenwart.

Immer locker bleiben, nicht verkrampfen, „denn alles kommt irgendwann wieder“ – mit dieser Einstellung erklärt sich Barck den Erfolg seines Kollektivs. „Das Wichtigste ist, dass man ein Gefühl dafür entwickelt, wann Musik funktioniert.“ Dann melden sich die Großen der Branche von selbst.

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