Berlin : Die Sozialisten punkteten als Friedenspartei

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Die großen Zuwächse für die PDS waren wohl die größte Überraschung bei der Abgeordnetenhauswahl. Dass die Partei stark abschneiden würde, damit hatte man zwar nach den Umfragen gerechnet, aber nicht in dem Ausmaß. Dennoch ist Richard Hilmer, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap, das auch für den Tagesspiegel die Umfragen macht, mit seinen Prognoseergebnissen vor der Wahl zufrieden. "Es kam nicht ganz überraschend, die Tendenz war schon im Sommer zu erkennen", sagte Hilmer. In der letzten veröffentlichten Umfrage, neun Tage vor der Wahl, hatte infratest dimap die PDS bei 19 Prozent gesehen. Tatsächlich erreichte sie am Sonntag 22,6 Prozent. Für diese Entwicklung entscheidend sei vor allem gewesen, dass die Partei nach dem amerikanichen Gegenschlag gegen Afghanistan "wieder ihre Stammwähler extrem mobilisieren" und auch Wähler von den Grünen und der SPD abziehen konnte.

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Infratest dimap hatte die PDS bereits im Juni, direkt nach dem Sturz des alten Senats von Eberhard Diepgen, bei gut 22 Prozent gesehen und damals auch für den Ostteil eine Anhängerschaft von fast 50 Prozent prognostiziert. Dann seien die Terroranschläge in den Vereinigten Staaten passiert , und die Werte für die PDS runtergegangen. Der Partei traue in den harten Themen wie der Sicherheitspolitik eben weniger zu, sagte Hilmer. Mit dem Gegenschlag habe die PDS aber diesen Boden wieder gutmachen und sich sozusagen als Friedenspartei etablieren können. Damit habe sie auch im Westen zulegen und dort sechs Prozent der Stimmen erreichen können. Insgesamt zeige das Ergebnis, wie viel Bewegung bei den Stimmen auch kurz vor der Wahl noch drin ist. Vor allem der PDS sei es gelungen, ihre Stammwähler in großer Zahl an die Urne zu bringen. Dies habe die CDU in diesem Jahr nicht geschafft.

Anders als andere Meinungsforschungsunternehmen lehnt es infratest dimap aus Gründen der Seriosität ab, in der Woche vor der Wahl noch Umfrageergebnisse zu veröffentlichen.

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