• „Die SPD wird Studiengebühren einführen“ Thomas Flierl zur Zukunft der Berliner Universitäten

Berlin : „Die SPD wird Studiengebühren einführen“ Thomas Flierl zur Zukunft der Berliner Universitäten

„Personalabbau gehört in die Verhandlungen“

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Klaus Wowereit hat unlängst Gebühren für das Erststudium gefordert – die das Bundesgesetz verbietet. Wäre es jedoch denkbar, dass es Studiengebühren für Langzeitstudierende in Berlin gibt?

Wir haben klar erklärt, wir wollen das nicht, weil es nichts bringt und die Probleme nicht löst. Aber meine Prognose ist, dass der Koalitionspartner solche Gebühren fordern wird.

Der Koalitionspartner kann das nicht umsetzen, wenn die PDS nicht mitgeht.

Wir müssen in dem gut Punkt überlegen. Ich bin dagegen, aber am Ende muss das Gesamtpaket stimmen. Weit besser als Strafgebühren einzuführen, ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen man zügig studieren kann.

Manche Leute werfen Ihnen vor, dass Sie sich allzu leicht geschlagen geben, sie wirkten als Senator geradezu unsichtbar. Was sagen Sie Ihren Kritikern?

Ich will an meinen Taten und meinen Resultaten gemessen werden. Wir haben eine politische Konstellation, die laute Dramatisierung nicht besonders sinnvoll macht.

Finanzsenator Sarrazin will aus der Kultur und der Wissenschaft mit der UniMedizin 396 Millionen Euro sparen. Wie hoch werden die Einsparungen bei den Unis ausfallen?

Darüber verhandeln wir noch.

Sie haben damals eine Summe von 100 Millionen Euro genannt. Würden Sie zurücktreten, wenn die Zahl höher liegt?

Da wir in Verhandlungen sind, steht die Frage nicht, ob ich zurücktrete. Wir sind im Senat einen Riesenschritt vorangekommen. Ich empfinde die Äußerungen des Regierenden Bürgermeisters, der 85000 Studienplätze erhalten und den Universitäten Planungssicherheit geben will, als Stärkung meiner Position. Die Diskussion stellt sich heute günstiger und sachlicher dar als noch vor einigen Wochen.

Welche Spielräume sehen Sie?

Die jetzigen Hochschulverträge gehen bis Ende 2005, trotzdem hätten wir gerne von den Hochschulen schon Einsparungen für 2004 und 2005. Sie signalisieren uns auch Bereitschaft, wenn die Konditionen in den Folgejahren stimmt. Es kommen langfristig eine Reihe von Faktoren ins Spiel. Wenn man einfach nur jede freiwerdende Stelle nicht besetzen würde, hätte man eine katastrophale Verzerrung der Personalstrukturen. Denn zwar werden viele Stellen von Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern in den nächsten Jahren frei, die man einsparen könnte, aber kaum welche bei den nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern.

Sollten betriebsbedingte Kündigungen möglich sein?

Unsere zu hohen Verwaltungskosten pro Absolvent hängen vor allem mit der Personalstruktur zusammen, in die die Universitäten im Moment nicht eingreifen dürfen. Die Frage eines sozialverträglichen Personalabbaus muss Eingang finden in die Vertragsverhandlungen.

Wo sehen Sie noch Einsparpotenzial?

Wir wollen mit den Hochschulen zusammen herausfinden, wo es in der Verwaltung höhere Kosten gibt als anderswo in Deutschland. Potenzial sehe ich auch in Bereichen wie dem Hochschulsport, Sprachenzentren, Immatrikulations- oder Auslandsämtern, Marketing und Informationsarbeit, wo Verbundlösungen denkbar sind. Wir würden auch prüfen, ob Personal von den Universitäten womöglich an die Fachhochschulen umgesetzt werden kann.

Könnten Sie sich vorstellen, dass ganze Studiengänge zur Fachhochschule wechseln, zum Beispiel die Betriebswirtschaft?

Grundsätzlich ja. Aber die Sache ist komplizierter. Man müsste an den Fachhochschulen Geld investieren und dann ist es ein langwieriger Prozess, Stellen bei den Universitäten abzubauen, das geht nicht in zwei Jahren. Nach dem Beamtenrecht kriegen Sie keinen Universitätsprofessor an die Fachhochschule.

Das Gespräch führten Sabine Beikler und Anja Kühne

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