Berlin : Die spinnen, die Finnen

AUFTRITT DER WOCHE Die Leningrad Cowboys begannen als Band zum Film Dafür hält sich die Partytruppe wacker. Jetzt sind sie mit neuer CD im SO 36.

Nordmänner. Die Leningrad Cowboys bilden eine Pyramide. Foto: Promo/Dirk Behlau
Nordmänner. Die Leningrad Cowboys bilden eine Pyramide. Foto: Promo/Dirk Behlau

Ach, die gibt’s noch? Aber ja. Erst vor ein paar Tagen eröffneten die Leningrad Cowboys in Obertauern im Salzburger Land die Skisaison auf dem Gamsleiten-Parkplatz. Und vor wenigen Monaten brachten sie bei der Rocknacht in Lehrte dröge Niedersachsen zur Raserei. Nur um Berlin, wo die 13 seltsamen Finnen immerhin am 18. Juni 1994 Zehntausende im Lustgarten mit ihrer „Total Balalaika Show“ begeisterten, haben die Jungs aus Helsinki bittere zwei Jahre lang einen Bogen gemacht. Nun aber sind sie endlich da: am Freitag im SO 36. Und neue Songs haben sie auch mitgebracht, ja gleich ein ganz neues Album: „Buena Vodka Social Club“.

Die gerade erschienene CD ist seit 2000 die erste mit ausschließlich eigenem Songmaterial. Im Gegensatz zum Stilmix früherer Tage, wo die Leningrad Cowboys von Punk bis Polka alles zitiert und parodiert haben, was das Lexikon der Musikstile so hergibt, widmet sich die Spaßcombo darauf hauptsächlich dem Gitarrenrock. Das Video zum Song „All we need is love“ zeigt, das die Truppe um Gründungsmitglied Sakke Järvenpää aber durchaus mal zum Sightseeing in Berlin war: für den Dreh haben sie vorm Dom, dem Checkpoint Charlie, dem Brandenburger Tor und dem „Bruderkuss“ von Honecker und Breschnew an der East-Side-Gallery posiert. Offensichtlich eine kleine Reminiszenz an den Ursprung der Band aus falschen Russen, die berühmt wurde, als der Eiserne Vorhang fiel und die durch ihre legendären Konzerte mit dem Musikkorps der Roten Armee gezeigt haben, dass der Sowjetmensch Ironie versteht und über Popmusik-kompatible Volkslieder verfügt.

Eine ganz schöne Leistung, wenn man bedenkt, dass die Leningrad Cowboys mal als Band zum Film angefangen haben. Regisseur Aki Kaurismäki, der der Grund dafür ist, dass Finnen in aller Welt als wortkarge Sonderlinge betrachtet werden, hat die Typen mit den Schnabelschuhen und angespitzten Elvis-Tollen 1989 in seiner kultigen Komödie „Leningrad Cowboys go America“ erfunden. „Geht nach Amerika, da schlucken sie jeden Mist“, ist der Rat, der die Band im und durch Film so populär macht, dass sie danach einfach weitergespielt haben – eigenes Zeug und unkaputtbare Coversongs. In mehr als 20 Jahren sind immerhin 1000 Shows in 60 Ländern zusammengekommen. Na bitte: Rock’n’Roll und Faxen machen zieht.gba

SO 36, Oranienstraße 190, Kreuzberg Freitag 20 Uhr, 26 Euro

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