Berlin : Die SS-Uniform hing auf dem Bügel

Bei Razzia in Marzahn wurde Propagandamaterial sichergestellt

Frank Jansen

Der am Donnerstag bei einer Razzia in Marzahn-Hellersdorf festgenommene Mann ist offenkundig ein Anhänger der rechtsextremen Szene. Der 23 Jahre alte Thomas K. trug nach Informationen des Tagesspiegels bei der Durchsuchung einen Ring mit einem SS-Totenkopf. Außerdem entdeckte die Polizei rechte Propaganda und eine SS-Uniform. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen K. wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Außerdem wird ihm ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Bei der Razzia hatte die Polizei in der Wohnung von K. in der Maxie-Wander-Straße sowie in der seiner Eltern in Brandenburg teilweise scharfe Handfeuerwaffen und Munition gefunden. Außerdem erschossen die Beamten einen Pitbull, der sie anspringen wollte. Die Staatsanwaltschaft prüfte gestern, ob sie einen Haftbefehl gegen K. beantragen kann.

An der Razzia im Auftrag von Generalbundesanwalt Kay Nehm nahmen Beamte der Abteilung Staatsschutz des Landeskriminalamts sowie ein Spezialeinsatzkommando der Brandenburger Polizei teil. Nehm ermittelt, wie berichtet, gegen Münchner Neonazis, die Anschläge planten. Die Rechtsextremisten wollten in München am 9. November bei der Grundsteinlegung des jüdischen Gemeindezentrums eine Bombe zünden.

Thomas K. gilt allerdings in dem Terrorismus-Verfahren nur als Zeuge. Der Mann war nach Informationen des Tagesspiegels von einem der inhaftierten Münchner Neonazis genannt worden. Die Bundesanwaltschaft betonte gestern erneut, gegen K. gebe es im Zusammenhang mit den Münchner Ermittlungen keinen Anfangsverdacht. Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, K. habe zusammen mit Brandenburger Rechtsextremisten auf ehemaligen Weltkriegsschlachtfeldern Handgranaten gesammelt. Sie seien dann an die Münchner Neonazis verkauft worden, die den Sprengstoff aus den Granaten herauskratzten. Auf diese Weise hätten die Rechtsextremisten zwölf Kilo herkömmlichen Sprengstoff zusammenbekommen.

Der Mann aus Hellersdorf war vor der Razzia nicht als Straftäter aufgefallen. Die Ermittler vermuten indes, dass Thomas K. Kontakte zu Rechtsextremisten in Berlin und anderen Ländern unterhält. In Sicherheitskreisen hieß es, es sei wenig überraschend, dass ausgerechnet in einem Ost- Bezirk ein möglicher Kontaktmann der Münchner Neonazis entdeckt wurde. Marzahn-Hellersdorf gilt als Hochburg der rechten Szene. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei hier 103 rechte Straftaten, darunter 16 Gewaltdelikte. 41 Prozent aller fremdenfeindlichen Straftaten in Berlin wurden 2002 in Marzahn-Hellersdorf verübt.

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