Die Stadt, der Müll und der See : Die zwei Seiten vom Schlachtensee

Seit einem Monat ist die Stadtreinigung für den Schlachtensee zuständig, leider nur am Südufer. Eine Glosse.

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Der Schlachtensee ist ein Idyll, nur leider sind seine Ufer nach lauen Sommerabenden arg vermüllt.
Der Schlachtensee ist ein Idyll, nur leider sind seine Ufer nach lauen Sommerabenden arg vermüllt.Foto: Thilo Rückeis

Es muss an den Genen dieser Stadt liegen, die seit ihrer Gründung eine Tendenz zum Dualismus zeigt: Berlin und Cölln, West- und Ost-Berlin, Zoo und Tierpark, schließlich der Dualismus von Land und Bezirken. Ja, es stellt sich sogar die Frage, ob dieses Zweierprinzip nicht auch in den für Berlin so typischen Doppeldecker-Bussen zutage tritt. Was ja nicht ausschließt, dass es auch in anderen, sich selbst als Einzelstück genügenden Metropolen wie London solche hochstapelnden Fahrzeuge gibt.

Auch innerstädtische Gewässer wie der Zehlendorfer Schlachtensee sind keine Berliner Spezialität. Bemerkenswert vor dem Hintergrund des oben geschilderten Doppelwesens der Stadt ist jedoch die Tatsache, dass die Ufer neuerdings am frühen Morgen ein ausgesprochen gegensätzliches Bild bieten. Jahrelang sah es dort nach lauschigen, zu Picknick und Trinkgelagen einladenden Sommernächten gleichermaßen auf der nördlichen wie der südlichen Seite vielerorts wie eine Müllkippe aus: Flaschen, Plastiktüten, Einweggrills, Essensreste – ein wahrer Schweinestall, möchte man sagen, täte man dem Borstenvieh, weitaus sauberer als sein Ruf, damit nicht unrecht.

Aber das war einmal, denn dieses Bild bietet sich dem morgendlichen Jogger jetzt nur noch auf der nördlichen, übrigens mülltonnenfreien Zone. Im Süden ist zur selben Zeit schon alles wieder tipptopp, die Mülltonnen geleert, der verstreute Müll eingesammelt – eine Lust, dort zu laufen. Seit einem Monat ist das so, damals übernahm die Stadtreinigung das Aufräumen auf dieser, in der Verantwortung des Bezirks liegenden Seeseite, stellte auch zusätzliche Mülltonnen auf, deren weithin leuchtende orangefarbene Aufkleber das an sattes Grün gewöhnte Auge stören mögen, aber egal – Hauptsache, es ist sauber.

Und der Norden? Da seien sie nicht zuständig, bestätigt ein bei der morgendlichen Runde angetroffener Putztrupp. Diese Seeseite liege in der Verantwortung der Berliner Forsten – „und das sieht man auch, oder?“ Ja, das sieht man, leider.

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