Berlin : Die Stadt hat die Hauptrolle

Das Festival hat begonnen. In acht Berlinale-Filmen ist Berlin der Dreh- und Handlungsort

Andreas Conrad

Drehort Berlin? Es ist noch gar nicht so lange her, da schlugen Filmproduzenten, Regisseure, Location Scouts nur die Hände über dem Kopf zusammen oder knirschten mit den Zähnen, fragte man sie nach ihren Berlin-Erfahrungen. Die Stadt galt als faszinierende Kulisse, war aber mit der Kamera nur mühsam zu erkunden. Das ist zum Glück vorbei, und jetzt wundert man sich schon fast, beim Spaziergang durch die Stadt nicht auf mindestens ein Drehteam zu stoßen, sei es für einen Werbespot, ein Musikvideo, eine TV-Serie oder das große Kino. Klar, dass sich das im Programm der Berlinale widerspiegelt, die gestern mit „Man to Man“, dem Film von Régis Wargnier, startete. Nun gut, das ist erst einmal alles andere als ein Berlin-Film: Er spielt in Afrika und Schottland. Für die Eröffnungsgala sind nach wie vor internationale Produktionen mit zugkräftigen Namen bevorzugt. Zum Beispiel Kristin Scott Thomas, noch in bester Erinnerung als Geliebte von Ralph Fiennes in „Der englische Patient“ und diesmal mit seinem Bruder Joseph auf dem roten Teppich. Zuletzt stand 1999 Berlin, genauer: Nazi-Berlin, im Mittelpunkt des Eröffnungsfilms „Aimée und Jaguar“.

Im Wettbewerb ist Berlin diesmal gleich zweimal vertreten: An diesem Sonnabend läuft Hannes Stöhrs Episodenfilm „One Day in Europe“. Vor dem Hintergrund eines Champions-League-Finales in Moskau werden in vier europäischen Städten Reisende in Gespäckdiebstähle verwickelt. Die letzte Episode spielt in Berlin, sie dreht sich um zwei junge Franzosen, die als Straßenkünstler im Kleinbus durch Europa tingeln. Auf den Straßen Berlins macht er schlapp, das Geld für die Reparatur soll durch einen vorgetäuschten Gepäckdiebstahl reinkommen. Museumsinsel, Hohenschönhausen, Kreuzberg – so gegensätzlich wie die Stadt sind die Drehorte von Hannes Stöhr.

Bei Christian Petzolds „Gespenster“ dagegen kommt der Tiergarten groß raus: Françoise zieht es immer wieder nach Berlin, wo sie ihre vor vielen Jahren entführte Tochter wiederzufinden hofft. Bei der Suche stößt sie auf zwei Mädchen, die eine in einem betreuten Wohnprojekt untergebracht, die andere Diebin. In einer der beiden glaubt sie ihre Tochter zu erkennen.

In der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ ist Berlin fünf Mal vertreten. In „Netto“ geht es in den Mauerpark, in „Blackout“ auf die Dächer von Prenzlauer Berg. „Dancing with myself“ erforscht die Clubs, „Janine F.“ die Szene im Kunsthaus Tacheles. Der Alex ist Schauplatz für „Weltverbesserungsmaßnahmen“. In „Stadt als Beute“ schließlich, einem Forumsfilm, kommen Dreh- und Festspielort zur Deckung – im Potsdamer Platz .

Und dann ist da natürlich noch „Beyond the Sea“, von und mit Kevin Spacey, gedreht in Babelsberg. Unter anderem taucht das Potsdamer Belvedere auf, im Film soll es ein italienisches Palais sein. Das glaubt man sofort.

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