Berlin : Die Stadt putzt sich heraus

Berliner achten mehr als früher auf saubere Straßen. Die Menge des illegal entsorgten Mülls hat deutlich abgenommen

Philipp Lichterbeck

Berlin wird sauberer – das Schmuddel-Image der vergangenen Jahre ist offenbar passé. Die Berliner achten mehr auf ihre Stadt. Sie werfen weniger Abfall auf die Straßen, benutzen öfter die Papier- und Abfallkörbe und entsorgen mehr Hundehaufen. „Es hat einen Mentalitätswandel gegeben“, sagt der Sprecher der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR), Bernd Müller. „Die Bürger identifizieren sich mehr mit ihrer Stadt, sie begreifen sich auch stärker als Berliner Gastgeber.“ Zudem melden sich bei der BSR immer mehr Initiativen und Firmen, die freiwillig Plätze und Grünanlagen reinigen und dafür Geräte ausleihen wollen.

Offenbar haben auch die alljährlichen Frühjahrsputzaktionen der Bezirke den Gemeinsinn gefördert. Dass die Berliner ihre Stadt inzwischen eher als Wohnzimmer sehen, erfreut auch die Tourismusbranche. „Besucher empfinden Berlin heute als aufgeräumte Metropole“, sagt der Sprecher der Berlin Tourismus Marketing (BTM), Christian Tänzler. Und bei der „Berlin Partner GmbH“, die um Investoren wirbt, hat man den Wandel gleichfalls festgestellt. Sprecher Christoph Lang: „Investoren sind oft erstaunt, wie grün und sauber die Stadt ist.“

Die subjektiven Eindrücke werden von Zahlen bestätigt. Vor fünf Jahren musste die BSR noch 35 000 Kubikmeter Abfall von Straßen, Plätzen und Grünanlagen wegräumen, 2006 waren es noch 25 000 Kubikmeter – darunter vor allem Möbel, Baumaterialien, Holzabfälle und Elektrogeräte. Die Entsorgung des Abfalls kostet jährlich noch immer 7,8 Millionen Euro. Dennoch sei die Stadt aus den „extremen 90er Jahren“ endgültig raus, glaubt BSR-Reinigungschef Winfried Becker. „Damals stellten alle ihre alten Möbel einfach vor die Tür.“

Auch die 20 000 Abfallkörbe würden heute bereitwilliger genutzt. Beklagte die BSR früher, dass sie vor allem beschmiert würden, so sammelt sich heute jährlich 7500 Tonnen Müll ein, mehr als je zuvor. Sogar die Klagen über Hundehalter sind seltener. Oliver Schworck (SPD), Umweltstadtrat in Tempelhof-Schöneberg, hat beobachtet, dass sie verstärkt Hundehaufen in Tüten entsorgen.

Die Ordnungsämter kooperieren derzeit mit der BSR und dem RBB bei der „Dreckeckenentdecker“-Kampagne. Zu einer Art Frühjahrsputz ist eine Telefonnummer eingerichtet (759 25 888), unter der illegale Abfallhaufen gemeldet werden können. Seit Anfang der Woche sind fast vierhundert Anrufe eingegangen.

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