Berlin : Die Stadt tanzt wieder aus der Reihe

Am Karneval der Kulturen werden sich am Pfingstwochenende mehr als 100 Gruppen beteiligen

Annette Kögel

In gut zwei Wochen ist es wieder so weit: Vier Tage lang werden rund 1,3 Millionen Besucher in Neukölln und Kreuzberg ihre Hüften schwingen und die Handykameras mitlaufen lassen – der 13. Karneval der Kulturen rollt an.

Vom 9. bis zum 12. Mai findet „Berlins größte Open-Air-Veranstaltung“ statt, wie Philippa Ebéné, neue Geschäftsführerin der Neuköllner Werkstatt der Kulturen, gestern ankündigte. 4430 Akteure aus 70 Nationen werden in 102 Formationen am Pfingstsonntag vom Hermannplatz bis zu den Yorckbrücken ziehen. Von Freitag bis Montag präsentieren auf dem Straßenfest am Blücherplatz mehr als 900 Künstler Türkpop und Balkanbeat, Afroreggae und Latinrock – alles umsonst und draußen.

„Es gibt nirgendwo auf der Welt einen Karneval, der so international ist wie in Berlin“, sagt Mitorganisatorin Nadja Mau. Sie betreut Karneval-Organisatoren anderer EU-Länder, die von der Gästebühne am Südstern aus die 70 motorisierten Wagen und 30 sogenannten Fußgruppen beobachten. Die Neuerungen in diesem Jahr: Die Strecke führt vom Hermannplatz in Richtung Mehringdamm wegen Bauarbeiten über die Gegenfahrbahn. Und die Gruppen wie „Drum Kitchen Berlin“, „Thai Smile“ und „Amistad Salsera“ haben mehr Zeit, um sich für die Jurybühne warm zu machen: Die befindet sich erst am Südstern und nicht schon am Hermannplatz. Erstmals bittet der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Ehrengäste auf eine Tribüne vorm Rathaus.

Für die Karnevalisten am Rande ist der Umzug pro Gruppe eine Sache von Minuten – für die Akteure, die unentgeltlich tüfteln, schneidern und proben, ist es ein Vorhaben seit Monaten. Über die Geldpreise für „Gesamtformationen“, „Kostüme“ oder auch „Musikalische Darbietungen“ entscheiden in diesem Jahr Juroren wie Philharmonie-Mitarbeiterin Catherine Milliken, Karikaturist „Ol“ und Ballhaus-Naunyn-Kuratorin Shermin Langhoff. Gute Chancen auf eine Auszeichnung hat wohl auch der Premierenauftritt einer „nigerianischen Maskerade“ in Deutschland. Bands kommen selbst aus Barcelona und New York angereist.

Die 260 000 Euro Logistikkosten für den Umzug mussten die Organisatorinnen wieder über die Lottostiftung und über Sponsoren hereinholen, Geld vom Senat gibt es nicht. Hauptsponsor seit Jahren sind die Berliner Wasserbetriebe, deren Mitarbeiter wieder Gratisgetränke an den „Wasserbars“ verteilen. Derweil hat auch die Polizei ordentlich zu tun: Beamte aus dem Neuköllner Kiez bereiten mit Schülern der Kurt-Löwenstein-Hauptschule das Projekt „Kids 44“ vor. Die Polizei tanzt mit beim Karneval, auch das ist eine Premiere. Annette Kögel

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