Berlin : "Die steinerne Garnison": Unter der Pickelhaube

Laurenz Demps

Die Entwicklung der hiesigen Militärbauten war als Arbeitsfeld lange verpönt und wurde sogar angegriffen, blieb daher ein Desiderat in der Berliner Geschichte. Mühsam musste man sich bisher die benötigten Angaben zusammentragen. Künftig aber kann der Historiker bei Anfragen zu diesem Gebiet einfach auf ein im Eigenverlag erschienenes Werk von G.-Michael Dürre verweisen. Wer sich für die Geschichte Berlins interessiert und an ihr arbeitet, benötigt diesen Band. Er ist engagiert, mit großem Fleiß zusammengetragen und erreicht den Standard eines Handbuchs auf diesem speziellen Gebiet.

Der Gegenstand wird weder verherrlicht noch verteufelt, sondern in ruhiger Form aufgearbeitet. Die Methode des Autor ist so einfach wie gekonnt. In den Mittelpunkt werden die Einzelobjekte gerückt, die Dürre in vier Gruppen unterteilt: die Zeit bis 1806, die Zeit bis 1919, die Zeit bis 1945 und die Nachkriegszeit bis zur heutigen Garnisonsstadt der Bundeswehr. Ein besonderes Kapitel ist dem Standort Spandau gewidmet.

In den jeweiligen Abschnitten wird der bisherige Forschungsstand zu den Bauten zusammengetragen. Knappe Texte leiten zu einer lexigraphischen Behandlung der einzelnen Objekte über. Dabei wird jeweils nach gleicher Gliederung - von Unterbringung über karitative Einrichtungen bis zu Rüstungsproduktion und Depotanlagen - der Garnisonsstandort Berlin in seiner Breite behandelt. Man ist erstaunt, was es in der fast 350-jährigen Garnisonsgeschichte Berlins alles gegeben hat und auch darüber, wie informativ und übersichtlich der Autor das darbietet. Es gibt Hinweise zur Aktenüberlieferung, gefolgt von Verweisen auf die Literatur. Im notwendigen Umfang werden die Militärbauten schließlich durch Fotos und Stiche dokumentiert. Allein schon das Verzeichnis der benutzten Literatur und der Akten verweist auf die Gründlichkeit der Arbeit. Ein wichtiges Buch, das in die Reihe der wenigen Handbücher über Berlin aufzunehmen ist.

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