Berlin : Die Sterne gehen auf

In einem Monat ist Berlinale: Die ersten Stars haben sich bereits angesagt Aber so lange müssen Autogrammjäger in Berlin nicht warten

Andreas Conrad

Es ist ein schöner Brauch zu Jahresbeginn, über die ins Haus stehenden Filmstars zu spekulieren. Die Berlinale ist nicht mehr fern, da wollen die Medien möglichst früh die Namen der Gäste verkünden – mit schwankender Trefferquote. Namen steigen kometenhaft auf, erlöschen wieder, werden gar von einem transatlantischen Schneetreiben fortgepustet, wie es im Vorjahr Richard Gere, Stargast der Gala „Cinema for Peace“, geschah, der seine Berlin-Reise diesmal nachholen will.

Angesichts der noch schwer einzuschätzenden Verbindlichkeit von Gästelisten ist es ein Glücksfall, wenn man einen Namen schwarz auf weiß serviert bekommt, diesmal von der American Academy in ihrem Winterprogramm. „Robert De Niro Meets Volker Schlöndorff“ – so ist eine Veranstaltung am 11. Februar angekündigt, zugänglich nur mit Einladung, aber immerhin. So bestätigt sich, was bei Bekanntgabe der ersten Wettbewerbsfilme in der vergangenen Woche zu vermuten war: De Niro kommt, um hier „The Good Shepherd“, seinen zweiten Ausflug ins Regiefach, vorzustellen. Darin spielt er selbst eine Nebenrolle, ob er auch seine Hauptdarsteller Matt Damon und Angelina Jolie dabei hat, ist noch nicht zu erfahren. Damon, dessen Rolle De Niro zunächst mit dem terminlich verhinderten Leonardo DiCaprio besetzen wollte, spielt einen Idealisten, der beim CIA Karriere macht, dessen Moral aber unter die Räder kommt – der erste Film dieses Festivals, der die Paranoia des Kalten Krieges thematisiert. Den zweiten, „The Good German“, drehte Steven Soderbergh mit George Clooney, Tobey Maguire und Cate Blanchett, einen im Nachkriegsberlin spielenden Thriller. Soderberghs und Clooneys Kommen ist wahrscheinlich.

Bekannt gegeben wurde vom Verleih der Besuch von Joseph Fiennes, Dennis Haysbert und Diane Kruger sowie Regisseur Bille August, die für „Goodbye Bafana“ werben wollen. Der Film spielt im Südafrika der Apartheid, dreht sich um einen von Fiennes dargestellten rassistischen Gefängniswärter, der auf der vor Kapstadt liegenden Insel Robben Island – heute ein Touristenmagnet – 20 Jahre lang Nelson Mandela bewacht. Der Film geht auf eine reale Geschichte zurück.

Angekündigt ist auch der Besuch von Marianne Faithfull, Star von „Irina Palm“. Das ist das Pseudonym einer Witwe, die sich in ihrer finanzellen Not auf einen Job als „Hostess“ in einem Londoner Sexshop einlässt. Mit dabei: ihr aus Belgrad stammender Kollege Micki Manojlovic und der belgische Regisseur Sam Garbarski.

Mit Isabella Rossellini macht auch das Forum beim Starreigen mit. Sie wird im Rahmen eines Live-Spektakels am 15. Februar in der Deutschen Oper als Kinoerzählerin durch den Stummfilm „Brand Upon the Brain!“ führen, einem experimentellen Werk von Guy Maddin, einem der eigenwilligsten Filmemacher Kanadas.

Autogrammjäger und andere Sternenstaub-Sammler müssen aber nicht bis zum Start der Berlinale am 8. Februar warten. Schillernde Gäste gibt es auch so genug, zum Beispiel heute gegen 18.15 Uhr auf dem roten Teppich vor dem Cinestar am Potsdamer Platz, über den Will Smith samt Sohn und Filmpartner Jaden Christopher Syre Smith sowie Ehefrau Jada Pinkett Smith zur Premiere von „Das Streben nach Glück“ schreiten, begleitet von Regisseur Garbrielle Muccino und Chris Gardner, dessen Leben das Vorbild zu der Geschichte abgab. Morgen gegen 19.30 Uhr gibt es das gleiche Schauspiel vor dem Delphi in der Kantstraße, mit dem Team von „Mein Führer“, an der Spitze Regisseur Dani Levy, der an diesem Abend ohne den Hauptdarsteller auskommen muss. Helge Schneider taucht nur heute zur Weltpremiere in Essen auf.

Am Donnerstag geht es weiter mit Tim Robbins, der in Interviews, also ohne öffentlichen Auftritt „Catch a Fire“ vorstellt, Thema ist wieder die Apartheid. Auch der Berlin-Besuch von Beyoncé Knowles am 19./20. Januar findet nicht vor großem Publikum, sondern nur für die Medien statt. Sie ist der Star von „Dreamgirls“, Bill Condons Film über die Supremes. Auch ihre Kollegen Jennifer Hudson und Danny Glover sind angekündigt. Am 13. Mai ist Beyoncé schon wieder da, live in der Max-Schmeling-Halle.

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