Berlin : Die Stimmen des neuen Europas

Gala zum „Kulturjahr der Zehn“

Jens Hinrichsen

Der rote Teppich ist diesmal blau. Zur Eröffnungsgala des „Kulturjahrs der Zehn“ lockt er, auf der Freitreppe des Konzerthauses am Gendarmenmarkt ausgelegt, ins Innere. Und wie auf der Europaflagge prangen gelbe Sterne darauf. Im siebten Opernhimmel wähnt sich das Publikum im Saal, mit frenetischem Beifall werden die zehn jungen Sänger begrüßt – vielleicht die Bühnenstars von morgen, wer weiß.

„Europa ist zu sich selbst gekommen“, mit diesen Begrüßungsworten weist Kulturstaatsministerin Christina Weiss auf die kulturellen Gemeinsamkeiten der alten mit den neuen EU-Staaten hin. Und das gilt ja besonders für die Oper, ob man an Richard Wagners Zeit als Kapellmeister in Riga denkt oder an die ganz Europa umspannende Allmacht der italienischen Oper bis ins 19.Jahrhundert hinein. Das spiegelt sich auch im Arienprogramm des Abends, gleich zu Anfang glänzen Dalibor Jenis aus der Slowakei und Sonora Vaice aus Lettland mit Arien aus Rossinis „Barbier von Sevilla“, voller Selbstbewusstsein und Temperament. Die Berliner Symphoniker unter Lior Shambadal weben den herrlichen Klangteppich für die Sänger. Von gewissen Misstönen ist die Gala allerdings nicht frei. Während einer kurzen Protestnote der von Abwicklung bedrohten Symphoniker, verlässt Kulturjahr-Leiterin Zsuzsa Breier zunächst demonstrativ den Saal. „Das ist nicht der richtige Ort, lokalpolitische Themen zu vertiefen“, mahnt auch Andrea Thilo, die Moderatorin, und erntet Buhrufe von den Rängen.

Mit Don Giovannis Champagnerarie kehrt die Sektlaune zurück und auch das anspruchsvolle Programm nach der Pause lenkt das Ohrenmerk auf die Musik. Der zypriotische Bariton Kyros Patsalides ragt beispielsweise mit seiner ausdrucksvoll gesungenen „Macbeth“-Arie aus dem Verdi-Block heraus. Für den mit drei Stunden Dauer recht ausgedehnten, aber nie langweiligen Opernabend und seinen zehn Protagonisten dankt das Publikum mit kräftigem Applaus und Bravorufen. Ein Empfang mit offenen Armen, sozusagen.

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