Berlin : Die Stimmung ist gedrückt

Anwohner fühlen sich von der Gasag schlecht informiert

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„Nur paar Meter neben uns ist die Erdgaslagerzentrale“, sagt DorisMaria Rehagel. Vom Dach ihres Wohnhauses aus gesehen versteckt sich zwischen viel Grün ein roter moderner Backsteinkomplex. Die Frau spricht von einem „extrem unangenehmen Gefühl“. Die Gefahr an der Füllzentrale soll, so war zu hören, noch größer sein als im Waldstück gegenüber, wo es am Freitag bei einer von mehreren Prüfstationen die schwere Gasexplosion gegeben hatte.

Die Bewohner wünschen sich, von der Gasag informiert zu werden, alle sind verunsichert. Eigenheimbesitzer bekamen zu hören: „Ihr werdet eure Häuser nie verkaufen können.“ Brigitte Karusseit vom Hotel Ambiente spricht von „großer Verunsicherung“. Das Potenzial unter der Erde sei unheimlich.

Die Stimmung ist gedrückt. „Wir sitzen auf einer Gasblase – und stehen unter Schock“, sagt Frau Rehagel, die mit ihrem Mann Jörg an der Glockenturmstraße wohnt. Es hätte schlimmer kommen können, mit Todesopfern, „aber es bleibt eine Katastrophe!“ Nachbarn fragen sich, warum man von einer Verpuffung in der letzten Woche erst am Freitag erfuhr - ob erst noch Schlimmeres passieren muss, bis das Erdgaslager geschlossen wird. Und viele zeigen, da sie in Hanglage wohnen, auf den nahen Unfallort zu ihren Füßen. Als wollten sie sich vergewissern, dass wirklich wieder alles in Ordnung ist. Erst in der Nacht zuvor waren letzte Feuerlöschboote abgezogen worden.

„Da werde ich immer hinschauen müssen“, sagt Frau Rehagel und nimmt von ihrem Balkon drei Bäume ins Visier, zwischen denen die Flamme emporgeschossen war. „Vor zwei Wochen sind wir da noch spazieren gegangen.“ Rehagels wohnen seit 1972 an der Glockenturmstraße, sie halfen mit, gegen den Bau des Erdgasspeichers mehr als 10 000 Unterschriften zu sammeln. Damals habe ein Experte sogar vor einer 800 Meter hohen Stichflamme gewarnt. Hausbewohnerin Birgit H., vor zweieinhalb Jahren eingezogen, hatte vom Speicher nichts gewusst. Ihrem Mann mache das nicht aus, sagt sie, „aber ich wäre nie hier eingezogen.“C. v. L.

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