Berlin : „Die Straßenbahn ist auffällig genug“

Schon sieben Tote bei Tram-Unfällen. BVG sieht aber keinen Handlungsbedarf

Bereits sieben Mal ist in diesem Jahr ein Verkehrsteilnehmer von einer Straßenbahn getötet worden. Im gesamten vorigen Jahr waren es vier Menschen. Damit ist jeder sechste der bisher 43 Verkehrstoten dieses Jahres bei einem Tram-Unfall ums Leben gekommen. „Unerklärlich“ sei die Häufung für die BVG, sagte Sprecher Klaus Wazlak. Er betonte aber, dass in den meisten Fällen die Opfer unachtsam gewesen seien. Die Bahnen selbst seien sicher, sagte der BVG-Sprecher – und auch nicht zu unauffällig.

Wie berichtet, ist am Donnerstag ein 81-jähriger Mann in Hellersdorf gegen 11.30 Uhr von einer Straßenbahn der Linie M 18 erfasst worden, als er die Fußgängerfurt der Gleisanlage an der Tram-Halstestelle Stendaler Straße/Ecke Henny-Porten-Straße überqueren wollte. Nach Polizeiangaben habe der Straßenbahnfahrer laut gebimmelt. Doch trotz einer Vollbremsung erfasste die Bahn den Rentner. Er erlag seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Wie alle Trams sei auch diese Bahn mit Licht gefahren, sagte Wazlak. Nachdem es im vorigen Jahr zu einer Häufung von Tram-Unfällen gekommen war, hatte die Polizei in einem Gespräch mit BVG-Verantwortlichen angeregt, die Tram optisch auffälliger zu gestalten. Die BVG sieht aber keinen Handlungsbedarf: „Unsere Trams haben eine quietschgelbe Verkehrssignalfarbe“, sagte Wazlak. „Die Bahnen fahren mit Licht, sie bimmeln, sie sind auffallend gelb – mehr können wir eigentlich nicht mehr tun“, schilderte der BVG-Sprecher. Verkehrspolizeichef Wolfgang Klang schlägt vor, an der Front der Tram „im oberen Bereich eine dritte Leuchte“ anzubringen. Denn bislang sei die Vorderseite wegen der getönten Scheibe nicht sehr auffällig – vor allem nicht in der dunklen Jahreszeit. Zudem gab Klang zu bedenken, dass viele ältere Menschen die Frequenz des Klingelsignals nicht mehr wahrnehmen würden. Werde das Signal lauter eingestellt, „bekämen wir wiederum Ärger mit den Anwohnern“, sagte Wazlak. Die Verkehrsunfallstatistik habe ergeben, dass die Tram keine besondere Gefährdung darstelle. Dennoch werde jeder Unfall ausgewertet, und die BVG prüfe, „ob man die Strecken noch sicherer machen kann“. So zum Beispiel durch Drängelgitter in Richtung der ankommenden Bahn an Haltestellen.

Innerhalb von zwei Wochen sind bereits drei Menschen bei Tram-Unfällen ums Leben gekommen: Vor einer Woche hatte ein alkoholisierter 49-Jähriger in Lichtenberg versucht, in die Straßenbahn einzusteigen, obwohl sie schon angefahren war. Am Dienstag vergangener Woche erlag eine 73-Jährige in Pankow nach einem Unfall mit einer Straßenbahn ihren Verletzungen. tabu

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