• Die Suche nach dem Winkelmesser des Schwiegervaters: „Ich dachte: Brauch’ ich nicht mehr“

Die Suche nach dem Winkelmesser des Schwiegervaters : „Ich dachte: Brauch’ ich nicht mehr“

Stefan Sarazin hat den Winkelmesser seines künftigen Schwiegervaters verkauft. Es war aber nicht bloß ein Werkzeug, sondern Symbol für einen besonderen Lebensweg. Die verzweifelte Suche nach einem Winkelmesser.

59 Jahre alt. Der gesuchte Winkelmesser, hier eine Zeichnung, trägt die Zahl „5081“ als Gravur. Findertelefon: 0176/101 834 85.
59 Jahre alt. Der gesuchte Winkelmesser, hier eine Zeichnung, trägt die Zahl „5081“ als Gravur. Findertelefon: 0176/101 834 85.

Stefan Sarazin, 48, aus Prenzlauer Berg hat am 25. August auf dem Flohmarkt am Mauerpark einen Winkelmesser verkauft. Dieser war jedoch eine 59 Jahre alte Lehrlingsarbeit seines künftigen Schwiegervaters. Jetzt versucht Sarazin mit Anzeigen in Zeitungen und im Internet, ihn zurückzuholen.

Herr Sarazin, wie sind Sie denn überhaupt auf die Idee gekommen, den Winkelmesser zu verkaufen. Lag er einfach so rum?
Nee, ich hab mir den vor ein paar Monaten ausgeliehen von meinem Schwiegervater in spe. Ich habe das Ding extra in die Kiste mit den guten Sachen gepackt, damit es nicht wegkommt. Zuletzt habe ich die in der Eile aufgemacht und sah da drin eine alte Isolierzange. Da dachte ich: Die verkaufste mal für ’nen Euro oder so. Der Winkelmesser lag daneben. Mir war völlig entfallen, was es damit auf sich hatte. Ich dachte: Brauch’ ich nicht mehr!

Was hat es denn mit dem Winkelmesser so Besonderes auf sich?
Sie müssen wissen, dass mein Schwiegervater ein Flüchtlingskind ist. Die sind damals mit Leiterwagen aus Schlesien gekommen, nach Baden-Württemberg. Da durfte man als Flüchtlingskind früher kein Abitur machen. Deshalb begann er eine Lehre bei der Firma Zeiss, die Glasinstrumente herstellt. Er war so gut, dass er ein Stipendium bekommen hat. Nur deswegen durfte er studieren. Der Winkelmesser, den er mit 16 gemacht hat, wurde ausgezeichnet. Das ist quasi das Symbol dafür, dass er später Ingenieur geworden ist. Er hatte als Kind nicht mal Spielzeug, das Werkzeug war sein ganzer Stolz. Er wollte es bestimmt irgendwann vererben. Und ich hab’s versaut.

Und was tun Sie jetzt, um das Gerät zurückzubekommen.
Ich war zwei Wochen lang jeden Tag am Mauerpark. Dort habe ich Flyer aufgehängt, mich am Eingang aufgestellt mit einem Foto eines ähnlichen Teils. Letzte Woche, als ich wieder da war, sagte mir einer, dass ihn jemand auf den Flyer angesprochen hat und sogar gerade einen Winkelmesser gekauft hat. Leider war es aber ein anderer.

Gibt es eine Belohnung für die Rückgabe?
Geld spielt keine Rolle, aber ich würde 100 Euro aufwärts dafür hergeben. Ich habe jetzt schon für 100 Euro Flugzettel drucken lassen, so wichtig ist mir das.

Lässt Ihr Schwiegervater jetzt vielleicht die Hochzeit platzen?
Da müssen Sie ihn fragen. Notfalls heiraten wir einfach so.

Die Fragen stellte Georg Schemitsch.

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