Berlin : Die Südwest-Bezirke liegen politisch auf einer Wellenlänge

kf

Die Zehlendorfer verdienen in der Regel etwas besser als ihre Nachbarn in Steglitz, sie sind noch seltener arbeitslos und haben die wenigsten Sozialhilfeempfänger in der Stadt. Politisch liegen die Steglitzer und Zehlendorfer schon lange auf einer Wellenlänge: Seit 1971 sitzt in beiden Rathäusern ein CDU-Chef, die meiste Zeit mit absoluter Mehrheit im Rücken. Und es deutet derzeit nichts daraufhin, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern sollte. Die SPD liegt in beiden Bezirken unter 25 Prozent, die Grünen erlangten über zehn Prozent. Entscheidend an Einfluss verlieren dürfte die "Wählergemeinschaft unabhängiger Bürger" (WUB) bei der Zusammenlegung. Die in Steglitz relativ unbekannte WUB mischt seit über 20 Jahren in der Zehlendorfer BVV mit, 1995 erhielt sie 15,1 Prozent. Offen bliebt auch, wo der linke SPD-Kreisverband Zehlendorf bleibt, wenn er mit dem mitgliederstarken rechten in Steglitz verschmolzen wird.

Die Bezirksbürgermeister stellten sich vor dem Beschluss in Sachen Fusion noch auf die Hinterbeine, inzwischen sind sehr viel freundliche Töne zu vernehmen. "Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Bezirken klappt hervorragend", sagt der Steglitzer Bürgermeister Herbert Weber (CDU). Die Musikschule sei bereits zusammengelegt, eine Fusion der Standesämter sei in Planung und auch sonst gebe es "Kooperationen vielfältigster Art". Offen ist derzeit noch, wo die fusionierte BVV tagen wird. Entschieden ist inzwischen, wo der Bürgermeister sitzen wird. "In Steglitz", sagt Weber.

Aber die Nachbarn verbindet viel mehr als die gemeinsame politische Linie. Das gehobene Bürgertum ist hier zu Hause wie in keinem anderen Berliner Wahlkreis. Die Altersstruktur in beiden Bezirken ist auch nahezu gleich: In beiden Bezirken leben viele alte Menschen und wenige Jugendliche. Ähnlichkeiten gibt es auch im Städtebau: Villenviertel bestimmen das Bild an den Stadträndern in Wannsee, Schlachtensee, Lichterfelde und Lankwitz. Mehrfamilienhäuser und mehrspurige Straßen dominieren in Richtung Stadtmitte. Sozialer Sprengstoff wie in Kreuzberg und Friedrichshain dürfte bei einer Ehe dieser beiden bürgerlichen Kandidaten nicht entstehen. "Wir haben hier vergleichsweise eine heile Welt", sagt Bürgermeister Weber.

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