Berlin : Die Tage der Ahornbäume sind gezählt

Es herrscht ein reges Investoren-Interesse am Filetgrundstück Unter den Linden/Friedrichstraße

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Von Jan-Martin Wiarda

Das internationale Bieterverfahren um die letzte große Freifläche an der Friedrichstraße stößt nach Angaben der Berliner Landesregierung auf reges Käuferinteresse.

Aussichtsreichster Bewerber ist offenbar die Deutsche Interhotel, der das benachbarte Areal mit dem Hotel Unter den Linden gehört. „Wir wollen es haben“, sagt Interhotel-Geschäftsführer Martin Ernst. Den Plänen der Holding zufolge soll das aus den 70er Jahren stammende Hotel Unter den Linden abgerissen werden und auf der entstandenen Fläche ein „Gebäudeensemble mit Mischnutzung aus Gastronomie, Einzelhandel, Büros und Wohnungen“ entstehen. Vom gegenüber liegenden Lindenkorso soll sich das Ensemble durch seine Luftigkeit abheben. „Wir bemühen uns schon seit knapp zehn Jahren um das Grundstück“, sagt Ernst. „Unser Interesse ist sehr ausgeprägt.“

Die Zukunft des 2300 Quadratmeter großen Eckgrundstücks vor dem Hotel Unter den Linden beschäftigt die Verwaltung seit langem. Zunächst hatte der Senat vor zwei Jahren dem Bezirk Mitte die Planungshoheit über das Areal entzogen, nachdem dieser sich gegen eine totale Vermarktung gewandt und stattdessen einen öffentlichen Platz vorgesehen hatte. Derzeit stehen auf dem Grundstück 14 Ahornbäume und Bänke zum Verweilen. Nach Auffassung des Senats ist die Vollendung der Blockbebauung an der Friedrichstraße jedoch von „außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung“ und rechtfertige die Übernahme des Verfahrens.

Eine vorübergehende Kaufoption, die sie der City Media Consult (CMC) erteilt hatte, zog die Finanzverwaltung im Sommer 2000 wegen Zweifeln an der Qualität des geplanten Medienzentrums zurück. Ein Bieterverfahren war allerdings auch in der Folgezeit nicht zustande gekommen, da das Gelände als Lagerfläche während des U-Bahnbaus vorgesehen war. Mittlerweile ist der Bau der U 5 wegen der Haushaltskrise auf unbestimmte Zeit verschoben. „Einer Bebauung steht damit nichts mehr im Wege“, sagt Joachim Günther, Sprecher der Senatsbauverwaltung. Mögliche Investoren hätten endgültig Planungssicherheit. Zuständig für die Vermarktung des Areals ist seit Anfang 2001 der landeseigene Liegenschaftsfonds Berlin. Eine Vorentscheidung für das Konzept der Interhotel gebe es noch nicht, sagt Liegenschaftsfonds-Mitarbeiterin Anette Mischler. Das Bieterverfahren läuft noch bis zum 28. August.

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