Berlin : Die Technofanmeile

Hunderttausende kamen. Zwischenfälle? Keine. Die Raver waren glücklich, der Tourismuschef ist es auch

Jörn Hasselmann

Die Feiermeile war voll: Nach zwei Jahren Pause kamen mehrere hunderttausend Musikfans auf die Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Ernst-Reuter-Platz. Die Loveparade ist wieder da. Optimistisch hatte der neue Organisator Rainer Schaller eine Million Menschen prognostiziert – schließlich hatten gerade noch bei der Fußball-WM Milliarden Menschen im Fernsehen gesehen, wie prima es sich auf der Straße des 17. Juni feiern lässt. Am Abend zählte die Polizei dann 340 000 Raver – die Veranstalter sprachen von einer Million. Offensichtlich kamen die meisten Besucher aus Berlin und Brandenburg, denn die elf Sonderzüge aus Städten im Bundesgebiet waren mit zusammen 1000 Ravern nur schwach besetzt gewesen. Wesentlich voller waren die Regionalzüge aus dem Umland.

Vom Hauptbahnhof und vom Zoo zog eine endlose Menschenschlange zur Berliner Feiermeile. Dort hieß es erstmals nach den guten Erfahrungen bei der WM: „Keine Glasflaschen.“ So streng wie bei der Fanmeile kontrollierten die Ordner aber nicht. Um öffentliche Gebäude wie das Bundespräsidialamt oder die Technische Universität waren Zäune gezogen, die Getränke waren deutlich billiger als auf der Fanmeile, der Drogennotdienst war mit sechs Ständen präsent. Insgesamt wirkte die Veranstaltung besser organisiert als früher.

Schaller, Geschäftsführer einer Fitnessstudiokette, hat die Parade wiedererweckt. Motto: „The Love is back.“ 40 Lastwagen mit Musikfans aus 17 Nationen setzten sich pünktlich um 14 Uhr zwischen Brandenburger Tor und der Stadtbahnbrücke in Bewegung. Bis zum späten Abend gab es für die 1500 Polizisten und den Malteser Hilfsdienst wenig zu tun, sieht man von einigen Festnahmen wegen Beleidigungen oder Drogenbesitzes ab. Für eine sechsköpfige Gruppe war der Anmarsch bereits am Kanzleramt zu Ende, nachdem sie Polizisten „All cops are bastards“ entgegengebrüllt hatte. Das aber war die Ausnahme. Weit mehr Menschen begrüßten alle Polizeiautos singend mit „Grün-weißer Partybus, sha-la-la-la-la …“ 50 vom Drogennotdienst ausgebildete „Love Guards“ kümmerten sich um Berauschte und Betrunkene, verteilten Ohrenstöpsel und Traubenzucker. An den Ständen wurde kein harter Alkohol verkauft.

Hoch erfreut über die neue Loveparade war Berlins Tourismuschef Hanns Peter Nerger. „Wir begrüßen die Wiederbelebung ganz außerordentlich“, sagte der Geschäftsführer der Tourismus-Marketing-Gesellschaft (BTM) dem Tagesspiegel. Nerger rechnet verglichen mit dem paradefreien Vorjahr mit einem Buchungsplus von 20 Prozent bei den Hotels. Dass das Interesse an der Parade groß sei, hätten die vielen Anfragen im Internet und bei der BTM-Telefonauskunft gezeigt. Die Zusammenarbeit mit dem neuen Organisator sei hervorragend gewesen, sagte Nerger – und erinnerte daran, dass die Tourismus-Marketing in den letzten Jahren den Versuch einer Kontaktaufnahme zu den alten Loveparade-Machern um Dr. Motte frustriert eingestellt hatte. Der BTM-Chef ist zuversichtlich, dass es nach den guten Erfahrungen des gestrigen Tages in den kommenden Jahren wieder regelmäßig im Juli die Parade geben wird.

Erstmals nach sechswöchiger Sperrung wird heute Mittag die Straße des 17. Juni wieder ganz freigegeben.

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