Berlin : Die Temperatur wird abstürzen, es wird gewittern, aber der Rekord ist dem Mai sicher

Andreas Oswald

So einen Mai hat es in Deutschland noch nie gegeben. Jeden Tag blauer Himmel, strahlende Sonne und Temperaturen, die sonst nur im Hochsommer herrschen. 32 Grad wurden am Dienstagnachmittag am Alexanderplatz in Berlin gemessen. Der Mai, da sind sich die Meteorologen sicher, werde wohl ein Rekordmonat. Der Temperaturdurchschnitt liegt in den ersten 16 Tagen des Monats fünf Grad über normal. Der bisherige Rekordmai im Jahr 1931 lag mit 16,8 Grad 3,2 Grad über normal.

"Alle reden über das Wetter und keiner tut etwas dagegen", sagte einmal der Schriftsteller Mark Twain. Drei Tage hintereinander um 30 Grad - hätten wir solche Temperaturen im Juli, würden sich spätestens jetzt viele Leute über die unerträgliche Hitze beklagen. Doch die Menschen klagen nicht. Die Menschen genießen die schöne Zeit ganz unbekümmert. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Vielleicht ist es die Freude, dass das Sommerwetter in diesem Sommer ungewöhnlich früh einsetzte. Vielleicht beklagt sich auch niemand über die Hitze, weil die Nächte noch angenehm frisch sind und Abwechslung bringen. Das ist erholsam.

Heute Nachmittag aber setzt der Umschwung ein. Die Meteorologen haben für Berlin und Brandenburg Schauer und Gewitter vorhergesagt, die von Westen zu uns kommen. Es könnte zu einem abrupten Temperatursturz kommen. Noch am Mittag werden bis zu 31 Grad gemessen werden. Dann geht es steil bergab. Am Donnerstag soll die Höchsttemperatur nur noch um die 20 Grad betragen.

Möglicherweise werden einige Menschen den Temperatursturz als unangenehm empfinden. Das ist eine Frage der Perspektive. Die Temperaturen werden in den nächsten Tagen mit 18 bis 20 Grad etwa dem Durchschnitt einer zweiten Maihälfte entsprechen. Insofern wird die Wetteränderung diesen rekordverdächtigen Mai kaum verhageln können. "Es müsste schon Schnee fallen, damit dieser Monat nicht einer der wärmsten dieses Jahrhunderts wird", sagt Thomas Globig von Meteofax.

Die Frage, die sich heute Abend viele Menschen stellen werden, wenn es kübelweise vom Himmel regnet, lautet: Ist der schöne Sommer jetzt vorbei? Vielleicht. "Die Erfahrung zeigt, dass ein sehr warmer Mai kühle und verregnete Sommermonate nach sich zieht", sagt Globig und verweist auf mehrere Beispiele.

Doch einer der bekanntesten Berliner Langzeit-Meteorologen, Wolfgang Röder von der Freien Universität Berlin, hatte bereits im April gegenüber dem Tagesspiegel eine lange Schönwetterperiode vorhergesagt. Kaum jemand hat ihm damals geglaubt, aber er hatte Recht. Und er geht noch weiter. Alle folgenden Monate sollen außergewöhnlich heiß werden mit Spitzen um 40 Grad im Juli und im August.

"Klimakatastrophe" hat gestern noch scherzhaft ein Kollege im Tagesspiegel in die Runde gerufen und damit Lachen geerntet. Doch sollte Röder mit seiner Prognose schon wieder Recht haben, wird im Juli und im August keiner mehr lachen. Dann werden die Leute in den Büros stöhnen und in den Geschäften werden die Ventilatoren knapp.

Aber Röder hat auch gute Nachrichten. Herbst und Winter werden ebenfalls warm. Damit werden seine Vorhersagen zwar langsam langweilig, aber Deutschland wird es ihm gerne glauben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben