Berlin : Die Transen Bar, Littenstraße 106/107 in Mitte, Eingang Wirtshaus Alte Stadtmauer

Andreas Oswald

Wer sich einmal eine professionelle Transvestiten-Show angesehen hat, mag erstaunt sein, wie steil die Girls aussehen. Was sie mit ein paar Pfund Schminke alles ausrichten können, um den Effekt zu erzielen, den sie erzielen möchten. Zuschauer fragen sich dann manchmal neugierig, wo gehen die nach ihrer Show hin, um sich privat zu amüsieren? Ein Laden, wo kundige Gäste ganz privat Transen treffen, ist die - der Name ist wenig spektakulär, dafür eindeutig - die Transen Bar. Auch hier gibt es am Wochenende eine Transvestiten-Show, aber hier verkehrt eine besondere Szene.

Viele Transen kommen hierher mit ihren Freundinnen und jungen hübschen Freunden. Diese treffen auf ganz normale Schwule sowie auf ganz normale Heteros, die den Kitzel suchen. Und dann sind da noch ein paar Ehepaare. Diese scheinen sich visuell ein wenig Appetit holen zu wollen. Scharf guckt der Mann in die Runde und noch schärfer seine Frau, und wer weiß, ob sie später nur ihren Eindruck mit nach Hause nehmen, um ihn gemeinsam zu genießen. Am Wochenende lohnt es sich nicht, vor 0 Uhr zu kommen. Die Show beginnt gegen 0 Uhr 30. Wenn sie vorbei ist, wird auf einer kleinen Tanzfläche zu alten Schlagern und Hits der letzten Jahrzehnte getanzt. Besucher der Transen Bar können etwas sehen, was die heile Welt der Transvestiten-Shows normalerweise verbirgt. Es gibt nicht nur junge und knackige Schönheiten, die einen Model-Wettbewerb gewinnen könnten. Da sind vor allem jene ganz normalen Transen, die als Selbstbild nicht eine Miss Venezuela vor sich haben, sondern eine unspektakuläre Frau, die gar nicht will, dass die Männer hinterhergaffen.

Manche wollen sogar ein wenig hässlich aussehen und eine unzufriedene Ehefrau spielen, die ihren Mann nicht leiden kann. Schließlich sind da noch jene Transen, die auffallen, weil sie gar keine Anstalten machen, ihr blau rasiertes Gesicht mit Schminke zu verfeinern. Die ihre 14 Stunden alten Stoppeln selbstbewusst zeigen, ebenso wie ihre Falten, die sie als 50-, 60- oder 70-Jährige nicht kaschieren wollen. Ein Kleid, eine Perücke, Lippenstift und hochhackige Schuhe und ein wenig Bedürfnis, sich so in kleinem Rahmen öffentlich zu zeigen, reichen vollkommen aus. Wer also das volle Spektrum sucht und nichts auslassen will - ab in die Transen Bar.

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