Berlin : Die Truppe sammelt sich: 1000 Kräfte sichern Gelöbnis

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Laut soll der Protest gegen das Gelöbnis ausfallen. Und fantasievoll. Was die „Kampagne gegen Wehrpflicht“ darunter versteht, hat sie in den vergangenen Jahren mehrfach unter Beweis gestellt: Trillerpfeifen, Sirenengeheul und Nackte, die während der Feier über den Appellplatz rennen.

Bei der Polizei laufen derzeit die Vorbereitungen, damit das öffentliche Gelöbnis am Sonnabend ungestört bleibt. 600 Rekruten werden von 18 bis 19 Uhr ihr Gelöbnis ablegen. Einladungskarten für die Zeremonie am 58. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler gehen an circa 100 Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Neben Polens Staatspräsident, Aleksander Kwasniewsi, und Bundeskanzler Gerhard Schröder werden rund 2000 weitere Gäste erwartet, darunter vor allem Angehörige und Freunde der Rekruten.

Das öffentliche Gelöbnis, das seit sechs Jahren in Berlin stattfindet, soll unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen abgehalten werden. 800 Polizisten stehen bereit; der Bendlerblocks wird außerdem von zwei Feldjägerkompanien mit je 120 Soldaten gesichert. Wie im vergangenen Jahr will die Polizei die Protestler außer Hör- und Sichtweite halten. Die Demonstrationen müssen 50 Meter vor der Hitzigallee enden. Außerdem ist das Beschallen des Bendlerblocks durch Lautsprecher und Sirenen untersagt.

Autofahrer müssen mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Den gesamten Tag sind die Hildebrandstraße, die Stauffenbergstraße und die Hiroshimastraße gesperrt. Ab 15 Uhr ist auch am Reichpietschufer, Schöneberger Ufer und der Tiergartenstraße mit den ersten Sperrungen zu rechnen; spätestens 17 Uhr ist die Gegend dicht.

Ein Bündnis von 40 Gruppen mobilisiert derzeit per Internet den Protest. „Das Militär aus dem Gleichschritt bringen! Kein Gelöbnis am 20. Juli! Auflösung der Bundeswehr“, heißt es in einem Aufruf. Ein neuerlicher Coup wird den Militärgegnern in diesem Jahr kaum gelingen. Denn die Einlasskontrollen werden rigoros sein. Alle Gäste und Journalisten sind ntlich bekannt und müssen sich an den Sperren ausweisen. 1999 waren Demonstranten mit gefälschten Einladungen in den Bendlerblock gelangt und später nackt über den Platz gerannt.

Auch die PDS hat das geplante Gelöbnis kritisiert. Derartige militärische Zeremonien seien „unzeitgemäße Relikte aus dem vorigen Jahrhundert“, sagt Landeschef Stefan Liebich. Die PDS lehne nicht nur das Ritual ab, „sondern die gesamte Ausrichtung der Bundeswehr auf weltweite Interventionen.“

Die PDS-Senatoren werden nach Liebichs Worten weder als Gäste auf der Gelöbnis-Ehrentribüne, noch an der Protestdemonstration teilnehmen. Wie er selbst weilten der Wirtschaftssenator Gregor Gysi und Kultursenator Thomas Flierl im Urlaub, Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner habe andere Termine.

Zwei Demonstrationen haben die Kriegsgegner für Sonnabend angemeldet: Eine Kundgebung ist von 15.30 bis 18 Uhr vor der Neuen Nationalgalerie geplant. Außerdem soll um 15.30 Uhr eine Demonstration am Bahnhof Friedrichstraße starten. Der Zug bewegt sich über den Potsdamer Platz in Richtung Bendlerblock zu einer Zwischenkundgebung. Gegen 20 Uhr soll die Demonstration am Potsdamer Platz enden. Die Veranstalter rechnen mit rund 500 Teilnehmern. Katja Füchsel

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