Berlin : "Die Türken in Deutschland: Urteil zu mild"

Suzan Gülfirat

Am meisten berichteten auf türkischer Seite die Tageszeitungen Hürriyet und Milliyet über das Urteil im Mordfall Hatun Sürücü. Beide Zeitungen brachten das Thema am Freitag und Sonnabend groß auf ihren Titelseiten. „Neun Jahre für Ehrenmord versetzt Deutschland in Unruhe“, titelte die Hürriyet am Freitag. Auf der Titelseite der Europa-Beilage wurde der Artikel fortgesetzt – unter der Überschrift „Das Urteil ist nicht mit dem Gewissen zu vereinbaren“.

Am Sonnabend titelte die Hürriyet „Der Erfolg der Familie blamiert uns in der Welt“. Als Beweis zitierten die Journalisten Überschriften und Kommentare aus europäischen Zeitungen. Außerdem kamen Berliner Türken zu Wort, die das Urteil als zu milde ansehen.

Neben das Bild von Hatun Sürücü platzierte die Zeitung die Geschichte über einen ähnlichen Fall, der sich vor kurzem in der türkischen Mittelmeerstadt Adana zugetragen hat: Eine 22-Jährige wurde von ihrem Ehemann und dessen Freund mit Schüssen und Messerstichen beinahe umgebracht. Auf dem dazugehörigen Bild konnte man die blutüberströmte Frau auf der Straße liegend sehen.

Auch der Milliyet ist das Urteil zu mild. Sie gab auf der Titelseite der Europa-Beilage wie die Hürriyet Berliner Türken Raum, die die Entscheidung der Richter scharf kritisieren. Die Überschrift dazu: „Widerstand gegen Freispruch der großen Brüder“. Im Text betonte die Zeitung, dass sogar die Medien in Italien und Brasilien über den Mord berichtet haben. Insgesamt war das Medien-Echo jedoch nicht so groß wie auf deutscher Seite. Die Tageszeitung Türkiye, die die religiös-konservativen Türken erreicht und in Frankfurt gedruckt wird, fehlte am Freitag und Sonnabend in den Berliner Kiosken.

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