Berlin : Die Übernächtigten vor der Linse

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Sonntags freimachen ist was für Langweiler. Für überzeugte Technofans fängt mit diesem Tag das Wochenende erst an. Während andere Menschen in die Kirche gehen oder sich zum familiären Kaffeekränzchen treffen, machen sie sich ausgehfein. An Orten wie der Strandbar „25“ in Friedrichshain tanzen sie sich dann in einen Rausch. Gern auch bis in die frühen Morgenstunden – des Dienstags, wohlgemerkt.

Einer dieser Technofans ist die 28-jährige Kerstin Hering . Über die Partys, die sie in den vergangenen Jahren besuchte, hat sie einen Dokumentarfilm gedreht. „Sonntags in Berlin“ heißt er und gibt einen Einblick in das, was da passiert, wenn in anderen Clubs Plattenspieler und Licht ausgeknipst werden und die Gäste nach Hause gehen – oder eben auf eine der vielen Partys nach den Partys. Heute Abend wird der Film im „Spindler & Klatt“ in Kreuzberg erstmals gezeigt.

„Der Film dokumentiert die Verschiebung sonntäglicher Rituale und Traditionen am Beispiel der Berliner Elektroszene“, sagt die Nachwuchsregisseurin. Bewusst sei ihr diese Verschiebung geworden, als sich Freunde und Verwandte aus dem heimatlichen Oldenburg über Herings Ausgehverhalten wunderten. „Da wurde mir klar, dass es Sinn macht, das mal zu zeigen und zu erklären.“ Deshalb kommen in ihrem 30-minütigen Werk die Partygäste zu Wort. Zudem sieht man junge Menschen tanzen, trinken und knutschen. Der Unterschied zu herkömmlichen Partys: Die Frauen und Männer können sich nicht in der Dunkelheit der Nacht verstecken, zumindest zu Beginn. Weil sie an Orten wie der Bar „25“ vom Tageslicht geblendet werden. „Es ist ein ehrlicheres Feiern“, sagt Kerstin Hering. Vor sieben Jahren kam sie des Filmregiestudiums wegen nach Berlin – und auch des Nachtlebens wegen. Nun hat sie beides miteinander verbunden. hey

Wir verlosen 10 x 2 Freikarten für die Filmvorführung heute Abend 21 Uhr im Spindler & Klatt, Köpenicker Straße 16 – 17. E-Mail an: verlosung@tagesspiegel.de, Stichwort: Sonntags in Berlin.

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