Berlin : Die unendliche Krankheit kehrt zurück 20 Jahre Berliner Aidshilfe Mehr HIV-Infizierte

Ingo Bach

Vor 20 Jahren war man Sterbebegleiter - heute bietet die Berliner Aidshilfe durch die Erfolge in der Arzneitherapie Lebensbegleitung: als Berater nach einem positiven HIV-Test, als Helfer beim Ausfüllen von Formularen, als Begegnungsstätte. Aber nicht nur das hat sich geändert, seit die Aidshilfe 1985 mit einem Förderbescheid des Landes Berlin über knapp 45 000 D-Mark an die Arbeit ging. Damals herrschte noch Panik: „Meine Nachbarn hatten Angst, nun kämen die Aids-Patienten zu mir und könnten das Treppengeländer anfassen“, erinnert sich Evita Baumberger, damals Telefonberaterin bei der Aidshilfe. Die ersten Mitarbeiter residierten in einer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung, versteckt im Hinterhaus am Bundesplatz. Heute hat die Aidshilfe Büros in einem repräsentativen Vorderhaus an der Wilmersdorfer Meinekestraße – 30 hauptamtliche und 180 ehrenamtliche Mitarbeiter führen jährlich 7000 Beratungsgespräche. Am Sonnabend beging die Aidshilfe ihren 20. Geburtstag mit einem Straßenfest.

Im neuen Jahrzehnt geht es weniger darum, die Panik der Nachbarn zu dämpfen. Im Gegenteil: Das abklingende Gefühl der Bedrohung muss wach und die sinkende Bereitschaft zum Schutz aufrechterhalten werden. Nach Jahren der Angst und der erzwungenen Vernunft, dass man sich mit Kondomen und anderen Praktiken schützen muss, infizieren sich seit einiger Zeit wieder mehr Menschen mit der Immunschwächekrankheit (siehe Kasten). Und nach wie vor sterben Menschen an den Folgen von Aids, in Berlin in jedem Jahr etwa 100. Die Aidshilfe wird weiter gebraucht.

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