Berlin : Die Uni-Klinik als Maklerbüro

Gutachten empfiehlt Immobilienverkauf. Doch der Markt gibt nichts her. Charité-Chefs in Klausur

Ingo Bach

Beunruhigte Mitarbeiter, leere Kassen, kein Geld für die dringendsten Investitionen – an der Charité gibt es jede Menge brandeilige Baustellen für den neuen Vorstandschef Detlev Ganten. Und kaum hatte der Noch-Chef des Max-Delbrück-Centrums in Berlin-Buch am vergangenen Donnerstag seinen neuen Vertrag unterschrieben, war sein Wochenende auch schon hinüber. Denn am heutigen Sonnabend und am Sonntag geht Ganten mit dem Aufsichtsrat des Universitätsklinikums in Klausur. Hauptthema: Die Empfehlungen der Unternehmensberatung Roland Berger zur finanziellen Zukunft der Berliner Hochschulmedizin.

Bis 2010 soll der Landeszuschuss für Forschung und Lehre in der Charité um 98 Millionen Euro sinken. Doch die bisher geplanten Strukturreformen bringen nur 84 Millionen Euro an Einsparungen. Außerdem brauchen die einzelnen Charité-Kliniken dringend Investitionen von fast einer halben Milliarde Euro zum Beispiel für die Sanierung von maroder Bausubstanz an den Standorten in Steglitz und in Mitte. Vom Land kann die Charité da nicht viel erwarten. Nun empfiehlt Roland Berger, die Lücken teilweise durch den Verkauf nicht mehr benötigter Immobilien zu decken. Die Berater sehen ein Potenzial von kurzfristig 20 bis 25 Millionen Euro, die das Uni-Klinikum kurzfristig zum Beispiel durch den Verkauf des Paul-Ehrlich-Zentrums für experimentelle Medizin in Mitte einnehmen könnte. Bis 2010 seien sogar bis zu insgesamt 85 Millionen Euro drin, die sich durch den Verkauf freigezogener Gebäude erwirtschaften ließen. Der ärztliche Direktor der Charité – Campus Mitte, Manfred Dietel, hat schon mal vom Land gefordert, der Hochschulmedizin alle Grundstücke zu überschreiben, damit diese sie verkaufen oder beleihen kann.

Insider bezweifeln aber, dass das funktioniert, denn der Immobilienmarkt in Berlin liegt seit langem am Boden. Das Negativbeispiel ist der landeseigene Klinikkonzern Vivantes. Der sollte seine 190 Millionen Euro Altschulden durch den Verkauf überflüssiger Grundstücke abbauen. Das traurige Ergebnis nach knapp drei Jahren: Der Konzern hat gerade mal vier Immobilien unter den Hammer bringen können. Erlös: sieben Millionen Euro. Über den Verkauf des so genannten Italienhauses an der Griesinger Straße in Hellersdorf wird derzeit noch verhandelt.

Aber Charité-Chef Ganten will trotzdem gemeinsam mit Vivantes Geld machen, allerdings auf anderen Gebieten. Die Zusammenarbeit biete sich an, schließlich seien beide – Charité und Vivantes – Landesbetriebe Berlins. Ganten setzt auf Synergieeffekte, zum Beispiel durch einen gemeinsamen Großeinkauf von medizinischem Bedarf oder auch durch Absprachen über regionale Schwerpunktbildungen in bestimmten medizinischen Bereichen.

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