Berlin : Die Unpopulären

150 Polizeiangestellte wechselten 2003 zu den Bezirken. Das half sparen, aber kostete sie auch den Respekt

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Mal eben zu Wertheim reinspringen, shoppen gehen und dafür das Auto direkt vorm Eingang am Ku’damm parken? Kann man machen – kostet aber 15 Euro. Der Opel-Fahrer, dessen Wagen am Straßenrand vor dem großen Kaufhaus in der City-West steht, wird zahlen müssen. Anke König, 47, tippt Auto-Kennzeichen und Farbe in ihren Handcomputer und außerdem „Parken im Halteverbot“. Dann steckt die Parkraumbewirtschafterin einen grünen Zettel hinter den Scheibenwischer. Sie macht nur ihren Job – seit 1998.

Da waren Parkraumbewirtschafter und Politessen noch Angestellte der Berliner Polizei. 2003 wurde umstrukturiert: Die „Polizeiaufgaben ruhender Verkehr“ gingen an die Bezirke, um Personal einzusparen. 150 Angestellte der Polizei wurden an die Ordnungsämter verteilt: Sie kümmern sich um den „ruhenden Verkehr, schreiben Strafzettel, kontrollieren Vignetten. Zudem laufen 300 Bezirksmitarbeiter als Kiezstreifen durch Berlin, achten darauf, dass Hunde angeleint sind oder dass nicht an den falschen Stellen gegrillt wird.

Anke König kam zum Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Ihr Gebiet ist die City-West rund um den Ku’damm. Das ist der Mutter zweier erwachsener Kinder recht, der Weg zur Arbeit vom Häuschen in Falkensee ist gerade noch machbar. Eigentlich ist sie ja gelernte Frisörin, aber schon seit 27 Jahren im öffentlichen Dienst. Anke König hat als Reinigungsfrau im Bezirksamt angefangen. Dann war sie dort jahrelang als Köchin beschäftigt. Vor siebeneinhalb Jahren wechselte sie zur Polizei.

Seit die Parkraumbewirtschaftung an die Ordnungsämter abgegeben wurde, hat sich für sie vor allem eines geändert. „Die Uniform ist noch blau, aber das Polizei-Emblem ist nicht mehr drauf.“ Jetzt haben die Leute weniger Respekt. Einige ihrer Kollegen, sagt sie, würden bespuckt von wütenden Autofahrern. Oder mit Gegenständen beworfen. Oder absichtlich mit dem Fahrrad angefahren. Einem wurde neulich von einem zornigen Falschparker das Diensthandy aus der Hand geschlagen. Trotzdem, sagt Anke König, habe die Reform auch Vorteile. Früher saßen die „PAng PRK“, die Polizeiangestellten Parkraum“, in der Charlottenburger Chaussee in Spandau. Abgewohnte Räume, abgewrackte Sanitäranlagen. „Beim Ordnungsamt am Hohenzollerndamm ist es schöner. Wir haben eine komplett neue Küche mit Herd und einen riesigen Kühlschrank“, sagt sie. Das erwähnt sie, weil sie damals bei der Polizei „jeden Tag irgendwo auf der Straße essen musste, wenn Mittagspause war“.

Und noch einen Vorteil hat die Umstrukturierung: Bei der Polizei musste Anke König ihre langen Unterhosen selbst kaufen. Beim Ordnungsamt gibt es Zuschüsse: 20 Euro für warme Unterwäsche, 10 Euro für einen Schal. tabu

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