Berlin : Die Urnen blieben stehen

Gericht verurteilt Bestatter zu drei Jahren Haft. Er kassierte für Beisetzungen, die nicht stattfanden.

Wenn der Bestatter knapp bei Kasse war, dann blieb wieder einmal eine Urne in seinem Büro stehen. „Gelder, die für die Beisetzung bestimmt waren, ließ ich in meine eigene Tasche fließen“, gab Mike R. am Mittwoch vor einem Amtsgericht zu. Er belog und betrog trauernde Hinterbliebene. Stets waren es anonyme oder Seebestattungen, bei denen der 39-Jährige sich für Leistungen bezahlen ließ, die er gar nicht erbrachte. Wegen dieser betrügerischen Geschäfte wurde er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Mike R. wirkte zerknirscht, als er aus der Haft vorgeführt wurde. Doch die Sprache hatte es ihm nicht verschlagen. „Ich fuhr auf der Discount-Schiene und machte die Preise am untersten Level fest, da blieben kaum Gewinne“, sagte der Betrüger vor Gericht. So billig wie möglich, die Menge macht’s, dachte er zunächst. Er bot übers Internet „würdevolle und preiswerte“ Bestattungen an. Es gingen ihm vor allem Menschen auf den Leim, die finanziell nicht so gut gestellt waren. „Es wurden schnell viele Aufträge“, schilderte R. Er sei bald überfordert gewesen.

Hinter dem gelernten Bürokaufmann lagen mehrere Haftstrafen wegen Untreue und Betrugs, als er Anfang 2010 einen Job bei einem Bestatter bekam. Nur acht Monate später machte er sich selbständig. „Doch bald konnte ich Rechnungen nicht bezahlen“, sagte der Angeklagte. Obwohl er viele Jahre in Haft saß und unter Bewährung stand, setzte er auf Betrug bei anonymen Bestattungen: „Ich ließ Urnen einfach bei mir stehen.“ Gegenüber Hinterbliebenen, die bis zu 1370 Euro bezahlen mussten, sprach er von erfolgter Seebestattung oder Beisetzung in einem Ruheforst in Brandenburg.

Statt Rechnungen von Krematorien und Fahrdiensten zu begleichen, baute sich Mike R. eine familiäre Idylle auf. „Ich hatte nach meiner letzten Haftentlassung eine Frau mit Kind kennen gelernt“, sagte er. Mit dem Geld finanzierte er den Lebensunterhalt. Als Bestatter trat er unter verschiedenen Namen auf und saß meistens im Büro in seiner Wohnung in Spandau. In zehn Monaten nahm er um die 350 Aufträge an, so der Angeklagte. „Was über einen normalen Friedhof und mit Trauerfeier lief, wurde auch gemacht“, sagte er.

Als er im August 2011 eine Strafe von drei Jahren und drei Monaten wegen anderer Betrügereien antreten musste, brach sein Kartenhaus zusammen. „Ich schaffte die Urnen, die im Büro standen, zu meinem früheren Chef“, sagte M. Bald meldeten sich Hinterbliebene. Sie hatten unter anderem von Krematorien Post wegen unbezahlter Rechnungen erhalten. Von Januar bis Juli 2011 betrog R. in 20 Fällen. Der Gesamtschaden liegt bei 12 500 Euro. Besonders verwerflich sei, dass der Bestatter Trauersituationen ausgenutzt habe, hieß es im Urteil. K.G.

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