Berlin : Die verhaftete Unschuld

Auf Fahndungsbildern wollen Zeugen Guido K. als Bankräuber erkannt haben. Er kam ins Gefängnis. Aber die Zeugen irrten

Werner Schmidt

Der da, das ist doch der Guido K.! Für mehrere Personen stand das felsenfest, als sie die Fahndungsbilder sahen, die von der Polizei nach einem Bankraub verbreitet wurden. Die Polizei nahm den 37-jährigen Tankwart fest. Vier Monate saß er insgesamt in Untersuchungshaft, bevor sich herausstellte, dass die Zeugen sich irrten. Vier Monate Knast – obwohl man doch gar nichts getan hat. Ein einziger Albtraum.

Es war das Gutachten eines forensischen Anthropologen, das Guido K. entlastete. Und als wolle er Guido K.s Unschuld noch deutlicher machen, stellte sich der wahre Täter nur wenig später selbst der Polizei – Auslöser des Justizirrtums war ein unscharfes Foto aus der Überwachungskamera im Vorraum der Sparkasse an der Weddinger Brunnenstraße. Es zeigt einen schlanken Mann mit dunklen, kurz geschnittenen Haaren, der etwas in Händen hält. Es ist laut Polizei die Maske, die er sich kurz zuvor vom Kopf gezogen hat. Vom seinem Gesicht ist auf dem verschwommenen Foto nicht viel zu erkennen. Dennoch wollen gleich drei Zeugen darauf ihren Bekannten Guido K. identifiziert haben. Bevor das Fahndungsfoto veröffentlicht wurde, musste ein Richter seine Zustimmung geben: „Eine Veröffentlichung ist nur mit richterlichem Beschluss möglich“, sagte Kriminaloberrat Manfred Schmandra. Danach gingen mehrere Anrufe ein, die alle auf Guido K. deuteten. Eine „heiße Spur“ für die Ermittler, die daraufhin beim Staatsanwalt einen Durchsuchungsbefehl anforderten. Aber der rückte gleich mit einem Haftbefehl an und zog die weiteren Ermittlungen an sich.

Guido K. wurde Anfang April verhaftet. Mit dem Mann auf dem Fahndungsfoto hatte er schon zu diesem Zeitpunkt wenig Ähnlichkeit. Zum Beispiel waren seine Haare länger, sagte Justizsprecher Björn Retzlaff. Aber die Zeugen beharrten weiterhin darauf, in Guido K. den Bankräuber erkannt zu haben. Er bestritt, die Tat Mitte Januar begangen zu haben – aber niemand glaubte ihm. Ein handfestes Alibi hatte er nicht. Dass in seiner Wohnung weder eine Waffe noch Geld oder die bei dem Überfall getragene Kleidung gefunden wurden, überzeugte den Staatsanwalt auch nicht von der Unschuld des 37-Jährigen. Eine Gegenüberstellung mit den Bankangestellten gab es nicht. Wer hätte ihn auch wiedererkennen sollen? In der Bank war sein Gesicht durch eine Maske verhüllt. Er nahm sie erst im Vorraum ab. Und da war die Kamera der einzige Zeuge. Trotzdem hatte der Staatsanwalt am Ende doch Zweifel und er beauftragte den forensischen Anthropologen. Der sollte feststellen, ob der Verdächtige der Mann auf dem Foto sein kann: „Unmöglich!“, besagte die Expertise.

Daraufhin sei der Mann bereits Anfang August aus der Untersuchungshaft entlassen worden, sagte Justizsprecher Retzlaff. Für die Zeit, die unschuldig im Gefängnis saß, wird Guido K. jetzt finanziell entschädigt.

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