Berlin : Die verkaufte Ministerin

Berlinerin ersteigerte Vormittag mit Renate Künast zur Grünen Woche

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„Für uns sind Sie heute Abend nur Nummern und wir wollen nur ihr Geld!“ Die Rollenverteilung im voll besuchten TipiZelt war klar. Oben auf der Bühne die gut gelaunten Auktionatoren – das Dream-Team von Radio Eins: Volker Wieprecht und Robert Skuppin. Unten bestens aufgelegte Gäste. In der einen Hand das grüne Zettelchen mit der Bieternummer, in der anderen das Portemonnaie. Wer bei der Benefiz-Auktion „Traumfänger“ mitgesteigert hatte, sollte möglichst noch am Abend bezahlen. Erstaunlich wie gebefreudig manche sind, wenn sie Radsportler Jan Ullrich bei der Tour de France begleiten können – für 2600 Euro.

Insgesamt 19 solcher unbezahlbaren Gelegenheiten ließ der Berliner Arbeitskreis „Zukunft vererben“ versteigern: eine alpine Kletter-Tour mit Ex-Minister Heiner Geißler oder ein TV-Drehtag mit Iris Berben. Der Gesamterlös von 17100 Euro geht an die sieben Mitglieder des Arbeitskreises: gemeinnützige Organisationen wie zum Beispiel die Aktion Sühnezeichen oder die Berliner Krebshilfe.

Stattliche 900 Euro wert ist Lisa Bachmann am Ende ein ganz besonderer Besuch auf der Grünen Woche im kommenden Januar: An der Seite von Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast darf sie am Eröffnungsrundgang teilnehmen. „Sie werden dann mal einem echten diplomatischen Essen beiwohnen“, warb die Politikerin. „Sie sehen dann, wie wir im Viertelstunden-Takt mit ausländischen Vertretern verhandeln. Natürlich gibt’s jede Menge Fresskörbe!“ „Lecker!“, raunt es da durch das Tipi-Zelt. Der kulinarische Aspekt hat natürlich auch die Gewinnerin interessiert, aber nicht nur: „Ich bin ich Künast-Fan und Mitglied der Grünen“, sagt Lisa Bachmann.

„Beide Seiten werden zufrieden sein“, grinst auch Stephan Reichenberger. Der schelmische Herr ist Fernseh-Produzent und hat gerade für 300 Euro den politischen Irrwitz ersteigert, 24 Stunden lang Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf zu sein. Reichenberger, dessen Büro im vorigen Jahr die Enthüllung des Brandenburger Tors inszeniert hat, ist Entertainment-Profi. „Mit der Bürgermeisterin Monika Thiemen können wir dann eine schöne gemeinsame Pressekonferenz geben.“ Pause. „Am besten zwei! Eine morgens über Erwartungen und Anspruch, eine abends über Ergebnisse.“ Wenn das man gut geht.

Wesentlich unbekümmerter wird Brigitta Rass-Sperling beim Schweizer Botschafter Werner Baumann essen. Der war sichtlich gerührt, dass sich die Gebote rasch hochschaukelten. Letzten Endes bis 2400 Euro. 16 Personen dürfen mit. „Wir spenden schon seit Jahren“, sagt Brigitta Rass-Sperling: „Aber so schön persönlich war’s noch nie!“

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