• Die Verkehrsbetriebe setzten wegen Museumsnacht und Rekord-Laufsteg Sonderbusse ein - trotzdem herrschte Chaos auf den Straßen

Berlin : Die Verkehrsbetriebe setzten wegen Museumsnacht und Rekord-Laufsteg Sonderbusse ein - trotzdem herrschte Chaos auf den Straßen

Klaus Kurpjuweit

Für die BVG war es ein "Gewalt-Wochenende" - und für die Fahrgäste auch. In der Langen Nacht der Museen, des längsten Laufstegs der Welt und zahlreicher anderer Veranstaltungen standen die Busse der BVG im Stau, und die verhinderten Fahrgäste stauten sich an den Haltestellen. Während nach Angaben der BVG die Busse im Durchschnitt zu 70 bis 90 Prozent besetzt waren, mussten Kunden erleben, dass übervolle Fahrzeuge einfach vorbeifuhren.

Die BVG war dabei mehrfach gefordert. Zum normalen Liniendienst kamen am Nachmittag die Extra-Fahrten zum Fußballspiel von Hertha BSC im Olympiastadion und am Abend die Sonderrouten zu den Museen im Auftrag des Museumspädagogischen Dienstes hinzu. Große Sonderaktionen kann der Verkehrsbetrieb dabei kaum noch stemmen. Nach den vom Senat verordneten Rationalisierungen gibt es kaum noch Reserven - weder beim Personal noch bei den Fahrzeugen.

Für die bestellten - und bezahlten - zehn Museumsrouten waren nach Angaben von Andreas Heller aus der Zentralen Leitstelle der BVG insgesamt 53 Busse im Einsatz. Als es eng geworden war, habe die BVG von sich aus - und auf eigene Kosten - weitere 12 Busse losgeschickt. Zusätzliche Einnahmen gab es dafür kaum, denn die Fahrgäste konnten auch diese Busse mit der Eintrittskarte für die Museen nutzen. Bei der BVG hofft man nun, dass der Veranstalter das nächste Mal von Anfang an mehr Fahrzeuge bestellen wird.

Am Wochenende kam hinzu, dass die Busse häufig im Stau stecken blieben. Durch gleich mehrere Großveranstaltungen waren auf einen Schlag zahlreiche Straßen gesperrt. Auf dem Kurfürstendamm fand eine Modenschau auf dem längsten Laufsteg der Welt statt, Unter den Linden zog bis in die Nacht die Hanfparade entlang, rings um den Reichstag waren die Straßen durch die Besucher dicht, die in den neuen Bundestag wollten, und auf der John-Foster-Dulles-Allee rollten die Skater hin und her.

Wie die Autofahrer konnten auch die Busfahrer ihr Ziel oft nur auf Schleichwegen erreichen. "Das war ein bisschen viel auf einmal", räumte Andreas Heller von der Leitstelle ein. Auch ihm wäre es lieber gewesen, wenn das Programm etwas entzerrt gewesen wäre. In kleinen Provinzstädten ist es übrigens üblich, dass sich die örtlichen Vereine zu Beginn eines Jahres so absprechen, dass sich ihre Veranstaltungen nicht überlappen.

Die BVG war nach Angaben von Fahrgästen aber auch im Normalbetrieb überfordert. Die Teilnehmer der Langen Nacht der Museen durften mit ihrer Eintrittskarte zum ersten Mal auch die Fahrzeuge des Linienbetriebes nutzen. Auf der Strecke des 100er Busses setzte die BVG, wie Heller mitteilte, auch mehr Fahrzeuge ein, die dann sogar zum Teil für den zusätzlichen Shuttleverkehr zu den Museen abgezogen worden seien. Auf den anderen Linien habe es dagegen keine planmäßigen Verstärkungen gegeben. So fuhren auch die Nachtlinien im Innenstadt-Bereich weiter nur alle 30 Minuten.

Am Schlossplatz, dem zentralen Ausgangspunkt der Museumstouren, gab es dabei die für viele Fahrgäste unverständliche Situation, dass dort nach Abschluss der Besichtigungen bis zu zehn Shuttlebusse herumstanden, während übervolle Busse des Regelverkehrs wie bei der Nachtlinie N 5 viele Fahrgäste gar nicht mehr mitnehmen konnten. "Aus Fehlern kann man auch lernen", sagte Heller gestern dazu. Und die nächste Lange Nacht kommt bestimmt. Wie die BVG dann wieder dabei ist, wird sich zeigen.

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