Berlin : Die verschwundenen Bürgermeister

Aus dem Rathaus Schöneberg wurden Gemälde von Bezirksoberhäuptern entwendet. Spuren gibt es nicht

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Zehn große Ölgemälde mit historischer Bezirksprominenz verschwinden aus dem Rathaus Schöneberg – einfach so, aus dem, repräsentativen BVV-Saal im Obergeschoss. Am Montag entdeckte das ein Wachmann. Stundenlang prüften Rathausmitarbeiter, ob die Bilder nur weggeräumt waren, weil sie vielleicht beim Saubermachen störten. Doch das war vergebens, am Dienstag wurde die Polizei gerufen – und die ist ebenfalls ratlos. „Wir wissen gar nichts“, sagte gestern Chefermittlerin Bärbel Groth-Schweizer.

Der Saal werde nicht abgeschlossen, sei offensichtlich frei zugänglich, werde auch zu Veranstaltungen vermietet, das alles erschwere die Ermittlungen, sagte die Expertin für Kunstdiebstähle beim LKA. Wie der oder die Täter zehn Bilder von jeweils 60 bis 80 Zentimetern ungesehen und unbemerkt die Treppen hinunter- und aus dem Rathaus herausbringen konnten, sei rätselhaft. Die Tat geschah vermutlich bereits zwischen dem 27. und 29. November.

Auch der Chef des Hochbauamtes des Bezirks, Franz-Wilhelm Garske, findet den Vorgang „merkwürdig“. Dass die zehn Gemälde eher ideellen bezirkshistorischen Wert hätten und keinen kunsthistorischen Millionenwert, sei kein Trost.

Verschwunden seien die rechteckigen und ovalen Bilder der zehn Männer, die Schöneberg von 1826 bis 1933 regierten oder dort einflussreich waren, von Theodor Bergemann bis Emil Berndt. Der erste nannte sich noch Gemeindevorsteher, später folgten dann dann Oberbürgermeister und zuletzt Bezirksbürgermeister. Prominente Namen sind darunter, wie Rudolph Wilde, Alexander Dominicus und Johann Adolph Feurig. Fotos aller Bilder gibt es nicht, „es hat ja nie jemand damit gerechnet, dass die Bilder verschwinden“, sagt Garske. Sie wurden im 19. Jahrhundert von zwei Künstlern im einheitlichen Stil gemalt.

Mitte November hatte in dem Saal im zweiten Stock zuletzt die BVV getagt, da hingen die Bilder noch. Danach fanden mindestens zehn Veranstaltungen und Tagungen dort statt. Vermutlich wurden die Bilder von den Arbeitern eines Tagungsveranstalters mit „abgeräumt“, hieß es.

Ein echter Einbruch in der Nacht sei unwahrscheinlich, Einbruchsspuren fehlen. Die Eingänge werden zwar videoüberwacht, auf den Bildern wurde jedoch nichts gefunden. Ha

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