Berlin : Die versteckte Pracht von Sacrow

Alexander Schäfer

Mit Sacrow verbinden viele Berliner vor allem die Heilandskirche. Das von Ludwig Persius geplante, 1844 eingeweihte, zu DDR-Zeiten im Grenzbereich verfallende und vor 20 Jahren mit Tagesspiegel-Hilfe gerettete Gotteshaus ist das unbestrittene Wahrzeichen des Ortes. In dem jüngst erschienenen Buch „Sacrow. Vom märkischen Dorf zum Ort der Moderne“ ist über die Kirche jedoch nur in der Einleitung zu lesen. Es konzentriert sich vielmehr auf die Villenkolonie Sacrow, ein fast vollständig erhaltenes Ensemble von heute 13 Häusern, Zeugnissen der Landhausarchitektur der 20er Jahre. Der Spaziergänger kann sich von ihnen leider kein rechtes Bild machen. Er sieht nur die weniger beeindruckende Straßenfront der Villen. Erst auf der Havelseite entfaltet sich ihre Pracht.

Die Autoren zeichnen auch die Geschichte der Bewohner nach. Der Sacrower Mikrokosmos spiegelte den Makrokosmos deutscher Geschichte wider. Während der Weimarer Republik wurden Elemente der Neuen Sachlichkeit, des Bauhauses und des späten Expressionismus in die Gestaltung einiger der Sommerhäuser aufgenommen. Zur NS-Zeit wurden jüdische Besitzer enteignet. Nach 1945 wurde Sacrow sukzessive zum Sperrgebiet. Bald konnten die Bewohner der Villen am Wasser aus den Fenstern der unteren Etagen nur noch die Grenzanlagen sehen.

— Jürgen Strauss (Hrsg.)/ Jan Thomas Köhler/Jan Maruhn: Sacrow. Vom märkischen Dorf zum Ort der Moderne. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin. 168 Seiten, 77 Fotos, 24,90 Euro.

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