Berlin : Die Verwaltung dreht am Riesenrad

Charlottenburg will Bezirksgrenze am Standort Zoo verschieben lassen – Mittes Bürgermeister lehnt ab

Stefan Jacobs

Die Verwaltung rotiert, damit sich in absehbarer Zeit das weltgrößte, 175 Meter hohe Riesenrad am Bahnhof Zoo drehen kann: Die Finanzverwaltung des Senats hat ihr „Interessenbekundungsverfahren“ – eine Art Ausschreibung – abgeschlossen. Man habe mehrere potenzielle Interessenten angesprochen, sagt Verwaltungssprecher Matthias Kolbeck. „Letztlich hat einer ein belastbares Angebot abgegeben“.

Dabei handelt es sich um die World Wheel Berlin Holding, wie deren Geschäftsführer Michael Waiser bestätigt. Die Finanzierung des bis zu 120 Millionen Euro teuren Vorhabens „haben wir nachgewiesen“, sagt er. Nun warte er auf das Gutachten, mit dem die Verwaltung die Vor- und Nachteile des Standortes prüfen lässt. Danach müssen das landeseigene Grundstück gekauft und die Baugenehmigung beantragt werden. Kolbeck sagte, seine Verwaltung wolle keine Zeitprognose abgeben, aber „was unseren Teil betrifft, sind wir auf einer guten Schiene“.

Nicht mehr im Rennen ist die Schaustellerfamilie Steiger aus Bad Oeynhausen, die unter anderem das weltgrößte transportable Riesenrad betreibt. „Wir haben uns zurückgezogen, weil wir damit rechnen mussten, dass das eine endlose Sache geworden wäre“, sagt Familienoberhaupt Adolf Steiger. Allein die notwendigen Planungen hätten am Standort Zoo Unsummen verschlungen. Stattdessen, sagt Steiger, sei er nach wie vor an einer Kooperation mit den Investoren der Anschutz-Arena am Ostbahnhof interessiert: „Ich möchte den Mund nicht so voll nehmen, aber es sieht positiv aus.“ Allerdings sagt auch Steiger, dass der Standort am Zoo der attraktivere sei. Deshalb fürchtet auch Waiser die mögliche Konkurrenz nicht. Für alle Beteiligten steht ohnehin fest, dass die Stadt nur ein derartiges Projekt verträgt.

Auf dem Grundstück in der City West, auf der einmal das Riesenrad stehen soll, unterhält zurzeit der Zoo seinen Wirtschaftshof, der dann neu gebaut werden müsste. Das Gelände befindet sich unmittelbar westlich der Bahntrasse neben TU und Busbahnhof. Obwohl mitten in der westlichen Innenstadt gelegen, gehört es als Teil von Tiergarten zum Bezirk Mitte. Das Bezirksamt von dem unmittelbar angrenzenden Charlottenburg-Wilmersdorf zählt zu den größten Befürwortern des Rads. Die Unterstützung geht so weit, dass der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat einen Gebietstausch mit Mitte erwog, damit es der Investor mit nur noch einem Ansprechpartner zu tun hätte. Als Ausgleich war von einer Fläche an der Sickingenstraße die Rede.

„Der Investor braucht ja bloß mit einem zu reden – und das sind wir“, kontert Mittes Bürgermeister Joachim Zeller (CDU). Ein Gebietstausch wäre möglich, aber sehr aufwändig – und nicht nötig, da auch das Bezirksamt Mitte dem Projekt „wohlwollend gegenübersteht“. Zeller vermutet hinter der Debatte eine Aktion der Charlottenburger, um die City West zu stärken „nach dem Trauerfall Bahnhof Zoo“. Waiser befürwortet den Gebietstausch, sieht sein Riesenrad aber ohnehin auf gutem Weg. Ginge es nach ihm, soll sich das Rad mit 40 Gondeln à 28 Plätzen in zwei Jahren drehen. Mit 175 Metern wäre es 40 Meter höher als das berühmte London Eye – und doppelt so hoch wie das Europa-Center.

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