Berlin : Die Vogelgrippe kommt: Sollen Katzen ins Haus und Hunde an die Leine?

Ariane Bemmer

Pro

Zwei Sachen, die wir über die Vogelgrippe wissen, ist: Sie breitet sich auf Wegen aus, die vermeintliche Gewissheiten in Reihe erschüttern. Und sie kann tödlich sein. Auch für Menschen.

Eine Sache, die wir über Katzen wissen: Katzen können nicht lesen.

Wenn jetzt also die Vogelgrippe in Berlin nachgewiesen wird, ist es fahrlässig, nur Verbotszonen auszuschildern. Wer will schon kontrollieren, dass frei laufende Hunde und Katzen sich nicht dorthin verirren? Es ist nötig, Tiere, die sich infizieren könnten und somit den Weg des Virus’ zum Menschen verkürzen, wegzusperren. Auch wenn das traurig und schlimm für Katze und Hund ist – und nervtötend für deren Halter. Die müssen sich dann eben zur Not Urlaub nehmen, um ihre Katze zu unterhalten. Sie können es auch mit Bachblüten versuchen oder zum Tierpsychologen gehen.

Denn was ist die Alternative? Sollen wir alle das Risiko tragen, das eben diese eine verirrte Katze, eben dieser eine verirrte Hund sich auf verbotenen Streifzügen ins Unterholz an einem verseuchten Vogel vergreift – und womöglich der Link ist, der das Virus auf den Menschen überspringen lässt? Ganz abgesehen davon, dass diese Begegnung auch Katze und Hund töten könnte, fällt das Abwägen da doch nicht schwer. Sicherlich kann sich das Einsperren im Nachhinein als übertrieben herausstellen, und dann ist manche Sofalehne umsonst von Katzenkrallen zerfetzt worden. Ich halte das für einen kleinen Preis.

Contra

Hunde an die Leine, Katzen einsperren – was soll das bringen? Das Virus kann längst auf Berliner Wiesen lauern. Der Vogelgrippe-Erreger hält sich bei vier Grad mindestens 35 Tage. Will heißen: Fiffi oder Mieze, die bisher draußen streunen durften, könnten H5N1 schon intus haben. Wie oft haben Sie in den letzten Tagen Ihren Hund getätschelt, ohne sich gleich die Hände zu waschen? Wie oft haben Sie zugelassen, dass er oder die Katze Ihre Hände leckt? Als Sie gestern aufwachten, lag da Mieze nicht neben dem Kopfkissen – Näschen an Nase mit Ihnen? Eben. Der Amtsschimmel hat Angst vor der Vogelgrippe, und es fällt ihm nicht mehr ein als Aktionismus. Vorschriften taugen nur, wenn sie praktisch umsetzbar sind. Erstens kommt sie zu spät, zweitens ist es undurchführbar. Wer eine Katze hat, die raus will, weiß, was garantiert nicht funktioniert: den Tiger in die Stube packen. Mieze wird erst an Fenstern und Türen kratzen, dann Tag und Nacht miauen oder aus Rache die Couchgarnitur rupfen. Die Hausgenossen mit Spielen ablenken? Viel Spaß, nehmen Sie sich am besten gleich Urlaub. Haustiere brauchen kaserniert ganztägig Zuwendung. Hunde ständig an der Leine zu führen, mag noch gehen. Katzen aber werfen sich allenfalls kreischend auf den Rücken. Dann klebt der Vogeldreck nicht nur an den Pfoten. Es wird so laufen: Nach ein paar Tagen werden Herrchen oder Frauchen Fiffi von der Leine und Mieze rauslassen. Oder aussetzen. Tierheime, macht hoch die Tür! Susanne Leimstoll

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben