Berlin : Die Wächterin der Ausstellung

Prominente stellen ihre Lieblingswerke aus der MoMA-Ausstellung vor: Maren Kroymann mag Louise Bourgeois’ „Schlafende Figur“

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Die Schauspielerin und Sängerin Maren Kroymann (54) tourt derzeit mit ihrem Programm „Gebrauchte Lieder“ durch Deutschland und ist in der Serie „Mein Leben und ich“ zu sehen. Um in der MoMAAusstellung ihr Lieblingswerk zu finden, musste sie ein bisschen suchen. Es steht nicht in den Ausstellungsräumen im Untergeschoss, sondern in der oberen Etage der Nationalgalerie.

Schon den Platz, an dem die „Schlafende Figur“ steht, finde ich gut. Sie hat so eine tragende Funktion hier, wie eine archaische Wächterin. Sie blickt über die Ausstellung und über die Stadt, die hinter ihr durch die Glasfassade zu sehen ist. Dadurch wird das Gebäude schön mit einbezogen.

An ihr selbst gefällt mir, was ich auch an anderen Arbeiten von Louise Bourgeois mag: Dass ein anderer Ausdruck für Weiblichkeit gesucht wird als die übliche Symbolik. Zwar hat die „Schlafende Figur“ diese Kuhle in der Brust, die deutlich einer Vagina ähnelt. Aber sie hat zum Beispiel keinen großen Busen, keine runden Hüften, sie ist so lang und schmal. Dadurch wirkt sie sehr streng, aber sie verfügt auch über eine gewisse Autorität, das mag ich sehr gerne bei Frauen. Die langen Stäbe an ihrer Seite unterstützen das noch. Ich würde sagen, das sind Werkzeuge, die sie in den Händen hält. Spaten zum Beispiel oder vielleicht auch Waffen. Sie schützen sie, aber gleichzeitig stützt sie sich auch drauf. Für mich wirkt das sehr stark. Auch der Kopf – der sieht ja zunächst aus wie eine Kuhglocke –, aber ich würde es eher für einen Helm halten. Und sie steht auf einem Sockel. Obwohl – es sieht auch ein bisschen so aus, als ob ihre Füße in den Sockel einzementiert wären. Vielleicht täusche ich mich ja auch mit allem, was ich sage, und es ist alles ganz negativ gemeint, dass die Figur total im Archaischen stecken geblieben ist. Aber für mich ist die Figur stark, auch wenn ihre Füße festgemacht sind. Na ja, klar, aus der ihr zugedachten Rolle kommt sie eben nicht heraus. Sie kann von hier aus nicht weg. Auch nicht in die untere Etage der Nationalgalerie, um ein bisschen mit den Jungsbildern und den Picassos der Ausstellung zu spielen. ase

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