Berlin : Die Wahrheit der Liebe

Im Meistersaal wird über Treue disputiert Auch das Bestsellerpaar Zurhorst macht mit.

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Erst streiten, dann beraten. Eva-Maria und Wolfram Zurhorst.Foto: pa/obs/Focus online
Erst streiten, dann beraten. Eva-Maria und Wolfram Zurhorst.Foto: pa/obs/Focus onlineFoto: picture alliance / obs

Treue ist ein schwieriges Wort. Ganz in der Nähe lauert die Eifersucht. Aber auch das Gefühl der Enge ist nicht fern. Um Treue geht es in der nächsten Veranstaltung von Disput Berlin, einer Pro- und Contra-Veranstaltung nach angelsächsischem Vorbild. Zwei Teams werden am 26. April im Meistersaal um die Wahrheit in der Liebe ringen. Die provokante These lautet: „Treue ist vergebliche Liebesmüh’.“

Die Teams sind prominent besetzt, unter anderem mit dem Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne), der Kabarettistin Desirée Nick, dem Soziologen Hans Bertram und den Bestsellerautoren Eva-Maria und Wolfram Zurhorst. Die Teilnehmer dürfen keinesfalls, wie in Talkshows üblich, um das Thema drumherum reden, sondern müssen klar für oder gegen die These Stellung beziehen. Am Ende stimmt das Publikum ab und entscheidet, wer gewonnen hat.

Eva-Maria Zurhorst hat dabei schon einen Favoritenstatus, weil sie so vielfältig dokumentiert hat, dass sie genau weiß, wovon sie spricht. Ihr Buch „Liebe dich selbst, und es ist egal, wen du heiratest“, wurde 2004 auf Anhieb ein Bestseller. Die heute 50-jährige gelernte Journalistin hat unter anderem in Kairo und Südafrika gearbeitet und Anfang der neunziger Jahre als PR-Managerin in Berlin. Ihren sieben Jahre jüngeren späteren Ehemann lernte sie bei einem Picknick am Wannsee kennen. Die Schwierigkeiten, in denen sie andere beraten, haben beide ausgiebig in der eigenen Beziehung durchlebt. Am Anfang der Ehe fühlte sie sich schrecklich und einsam in einem spießigen Viertel in Frankfurt, schwanger und ohne Job, während der Ehemann als Manager in der Textilbranche viel unterwegs war.

Erst als die gemeinsame Tochter vier Jahre alt war, erfuhr sie, dass der Mann eine Freundin hatte. Seine Ehefrau habe alles an ihm kritisiert, und er habe es genossen, mit einer Frau zusammenzusein, die ihn so annehmen konnte, wie er war, erklärte er die eigene Untreue später. Auch sie begann daraufhin eine Affäre. Erst als die beiden sich trennten, kam das Bedürfnis auf, miteinander zu reden. Auch wenn die Gespräche öfter mal in verbale Schlachten mündeten, kam man sich wieder näher. Nachdem ihre Bücher Bestseller wurden, interessierten sich die Leser auch für die männliche Sichtweise. Inzwischen schreiben und coachen sie gemeinsam.

Das Buch „Liebe dich selbst und freu dich auf die nächste Krise“ könnte auch so eine Art Motto für das erfolgreiche Leben als Paar gelten, denn die Krisen haben dieses spezielle Paar schließlich an einen Punkt gebracht, wo beide sich auch als beste Freunde betrachten.

Das aktuelle Projekt der Beziehungsberater hat mit der Vereinbarkeit von Liebe und Arbeit zu tun. „Viele Menschen kommen in unsere Sprechstunde, für die ihre Beziehung nur noch eine Rehafunktion hat, weil sie abends völlig ausgelaugt von der Arbeit nach Hause kommen“, sagt Eva-Maria Zurhorst. Für diese Menschen gibt es künftig dann ein regelrechtes Arbeitsprogramm. Dabei dreht sich alles um die Frage: Wie kann ich Leidenschaft, Nähe und Tiefe finden und gleichzeitig in meinem Beruf meinen Weg gehen?

Die „Liebe dich selbst“-Bücher sind inzwischen in 18 Sprachen übersetzt worden, und mit der Spießeridylle ist auch lange schon Schluss. Heute pendelt das Paar mit der Tochter zwischen Bonn und Mallorca. Im Sommer will die Familie dann nach Berlin ziehen. Elisabeth Binder

26. April, 18 Uhr, im Meistersaal, Köthener Straße 38, Eintritt 18,85 Euro, Infos unter Tel. 0331-20178898.

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