Die Weinlese in Brandenburg ist beendet : Reifeprüfung in Werder

Eine Fäulnis kurz vor der Ernte verhindert ein besseres Ergebnis für die Winzer in Werder. Die sind mit der Qualität des Weines zufrieden, beklagen aber, dass die Anerkennung für Rotwein fehle.

Enrico Bellin
Mundet’s? Andreas Schultz bewirtschaft das Weingut des Töplitzer Klosterhofs bei Werder.
Mundet’s? Andreas Schultz bewirtschaft das Weingut des Töplitzer Klosterhofs bei Werder.Foto: Manfred Thomas

Werders Weinberge liegen friedlich in der herbstlichen Sonne, die Erntehelfer sind abgezogen. Die Lese ist abgeschlossen – und die Winzer sind mit der Qualität des Weines in diesem Jahr zufrieden. So wie Andreas Schultz, der gemeinsam mit Ludolf Artymowytsch das Weingut des Töplitzer Klosterhofes bewirtschaftet: „Ertrag und die Qualität sind in diesem Jahr gestiegen“, sagte Schulz. Seine Kollegen und er haben den Weinberg erst im Jahr 2012 übernommen. Die Töplitzer Weine werden biologisch produziert, in diesem Jahr dürfen die meisten von ihnen dem Winzer zufolge das Qualitätsprädikat „Auslese“ tragen. Im Bewertungssystem steht das über den Stufen „Kabinett“ und „Spätlese“. Der Winzer rechnet mit einer Weinmenge zwischen 9 000 und 10 000 Flaschen aus den Trauben, die er auf fast zwei Hektar Fläche geerntet hat.

Der Wein reift in den Fässern weiter

Trotz des feuchten Septembers habe Schultz – im Gegensatz zu den anderen Werderaner Weinbauern – mit Fäulnis kaum zu kämpfen gehabt. Die Reben tragen getreu dem biologischen Ansatz etwas weniger Trauben, was durch einen entsprechenden Rebschnitt gesteuert wird. Außerdem wurden im August die Rebstöcke teils entblättert, damit der Wind die Trauben besser trocknen kann. Die Lese in Töplitz wurde erst vor Kurzem abgeschlossen, der künftige Wein lagert derzeit in Gärtanks und soll in einigen Wochen in die Fässer zur Reifung. In zwei Fässern lässt Schultz derzeit spezielle Weine reifen, die eine etwas süßlichere Note bekommen sollen.

Pinotin kann auch aus Sand Kirschgeschmack entwickeln

Hauptsächlich werde der Wein direkt auf dem Töplitzer Klosterhof verkauft, in Berlin und Potsdam stehen die Flaschen dazu unter anderem in den Regalen einer Biomarkt-Kette. Weißwein ist dem Winzer zufolge bei den Kunden deutlich beliebter als das rote Pendant. „Es ist sehr schwer, in unseren Breitengraden guten Rotwein herzustellen. Und bei den Kunden fehlt die Anerkennung für das Produkt.“ Deshalb stelle er aus den roten Trauben auch viel Rosé her. Im Jahr 2010 wurden auf dem Töplitzer Weinberg aber trotzdem 1000 Stöcke der roten Sorte Pinotin nachgepflanzt.

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1 von 7Foto: Kai-Uwe Heinrich
10.12.2009 18:51Er ist Deutschlands wildester Weinkritiker, er liebt die Kleidung von Vivienne Westwood, er kann kichern wie eine Hexe, kurzum:...

Pinotin ist auch eine der Rebsorten, die auf der anderen Seite der Havel auf dem Werderaner Galgenberg angebaut werden. Seit 2012 ist sie bei Manfred Lindicke, der auch den Werderaner Wachtelberg bewirtschaftet und der größte Weinbauer der Region ist, im Programm. Sie soll widerstandsfähiger gegen Pilzbefall sein als seine anderen. „Außerdem bietet der Pinotin etwas anderes als immer nur Regent oder Dornfelder, der Geschmack geht in Richtung Spätburgunder“, so Lindicke. Der Pinotin schaffe es, auch auf den sandigen Brandenburger Böden fruchtige Aromen wie etwa Kirsche zu entwickeln. Ab dem 2. November können die Kunden Pinotin probieren, dann beginnt der Verkauf des Weines von 2013.

Wenn es kälter wird, steigt der Rotwein-Verkauf

Auch Lindicke wünscht sich mehr Kunden für seinen Rotwein. Doch der Winzer ist guter Dinge, dass mit den sinkenden Temperaturen der Absatz steigt. Zudem hofft er, dass die Gastronomie dem Trend zu lokalen Produkten folgt. Auch Lindicke geht von einer hohen Qualität seiner Ernte aus, die für etwa 50 000 Flaschen reichen wird.

Ebenfalls in Lindickes Weinkeller reift der Wein von Gastronom Jens-Uwe Poel, der den Phöbener Wachtelberg bewirtschaftet und bislang für den Eigenbedarf produzierte. Er sei zwar zufrieden mit seiner Ernte von zwei Tonnen, habe durch die Fäulnis kurz vor der Ernte aber ein Drittel der Trauben einbüßen müssen. Einige der etwa 1 800 Flaschen, die die Phöbener Trauben in diesem Jahr hergeben, will Poel im kommenden Jahr auch in den Verkauf bringen. „Wir werden jetzt anfangen, für unseren Wein erstmals Werbung zu machen.“

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