Berlin : Die Welt am Wannsee

Gartenfest der Großen in der American Academy mit Kissinger, Bloomberg und von Weizsäcker

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Zu einem Blitzbesuch kam New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg gestern nach Berlin. Im Garten der American Academy am Wannsee wurde ihm am Abend „für seine herausragenden Verdienste um die Lösung globaler Herausforderungen, als Innovator der Finanzindustrie, als Bürgermeister von New York und als weltweit engagiertem Philanthrop“ der diesjährige Henry-A.- Kissinger-Preis verliehen. „Michael Bloombergs Leistungen sowie sein Einsatz für transatlantische Werte zeichnen ihn als exemplarischen Preisträger aus“, sagte Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger.

Wenn er in der Lage wäre, Deutsch zu lernen, würde er Klaus Wowereit bei der nächsten Berliner Wahl herausfordern, sagte Bloomberg, der Berlin als offen und energiegeladen lobte. Richard von Weizsäcker sagte in seiner Laudatio in Hinblick auf Bloombergs große Erfolge bei der Verbesserung des Gesundheits- und des Bildungssystems in New York, der beträchtlichen Verringerung des Defizits und der Bekämpfung der Armut, er möge doch wenigstens noch ein bisschen länger hier bleiben. Stefan von Holtzbrinck würdigte als Co-Laudator den Werdegang „des besten Medienmanagers und besten Bürgermeisters der Welt“, der ursprünglich mit nichts angefangen habe. Er hob als vorbildhaft hervor, dass Bloomberg Geschäft und Amt immer sauber getrennt habe. Bloomberg, dem immer wieder attestiert wurde, er könne Entwicklungen vorhersehen, erinnerte daran, dass Ozeane kleiner und Grenzen unwichtiger werden: „Um die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können, müssen wir lernen, alle zusammenzuarbeiten.“ Auf die Frage, was andere Städte von New York lernen könnten, sagte er: „Schlechte Zeiten sind die besten, um in die Zukunft zu investieren.“

Der 68-jährige Milliardär Michael Bloomberg begann seine Karriere Mitte der 60er Jahre als Aktienhändler bei der New Yorker Investmentbank Salomon Brothers und machte sich Anfang der 80er Jahre als Finanzdienstleister selbstständig. In den 90er Jahren baute er sein Unternehmen zusätzlich zum Medienkonzern aus. Er trat auch als Wohltäter in Erscheinung, spendete allein in der zweiten Hälfte der 90er Jahre 300 Millionen Dollar, unter anderem für die John-Hopkins-Universität und für Gewaltopfer, für Schulen und die Initiative Essen auf Rädern in New York. Im Januar 2002 trat er sein Amt an.

Als reichster Amerikaner in einem Wahlamt begnügte er sich mit einem Gehalt von 1 US-Dollar. Er blieb in seinem eigenen Anwesen an der Upper East Side wohnen und benutzt auf dem Weg zum Rathaus meistens die U-Bahn. Populär wurde er als effektiver City-Manager, der auf parteipolitische Profilierung verzichtete, wenig Wert auf Publicity legte und vor allem pragmatisch agierte. Im November 2005 brachte ihm das die Wiederwahl mit 59 Prozent der Stimmen ein. Im Juni 2007 trat er aus der republikanischen Partei aus. Für ihn hob der New Yorker Stadtrat nach heftigen Debatten 2008 die Begrenzung auf zwei Amtszeiten von jeweils vier Jahren auf. Der nunmehr parteilose Bloomberg schlug im November im Wahlkampf um die dritte Amtszeit seinen demokratischen Herausforderer mit 51 Prozent aus dem Rennen.

Seine Zeit ist knapp bemessen. Aus London kommend, war er erst am späten Nachmittag in Berlin eingetroffen. Vor einem Dinner im kleinen Kreis mit Mitgliedern des Aufsichtsrats der American Academy hatte er sich zu einem ausführlichen privaten Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit getroffen.

Der erste Kissinger-Preisträger war 2007 Helmut Schmidt, im Jahr darauf wurde George H. W. Bush geehrt, der zur Zeit der Wiedervereinigung US-Präsident war. Elisabeth Binder

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