Berlin : Die Welt ist keine Hängematte

Wer glaubt, auf der ITB gemütlich von Land zu Land schlendern zu können, der irrt In fast jeder Halle warten sportliche Herausforderungen und andere Aktivitäten.

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Am Ball. Im Sommer ist Europameisterschaft in Polen und der Ukraine – die Aussteller auf der Tourismusbörse haben sich darauf eingestellt. Foto: dpa/Wolfgang Kumm Foto: dpa
Am Ball. Im Sommer ist Europameisterschaft in Polen und der Ukraine – die Aussteller auf der Tourismusbörse haben sich darauf...Foto: dpa

Am Wochenende soll es kalt und regnerisch werden in Berlin. Gut so. Dann macht es noch mehr Spaß, durch die Welt zu schlendern – mollig und überdacht auf der ITB. Zum Glück wartet der Sambastaat Brasilien gleich in Halle 1. Und nur wenige hundert Meter weiter beginnt die Karibik, deren Länder FranzösischGuayana, Barbados oder Trinidad & Tobago so fröhlich-entspannt klingen, dass man sich am liebsten gleich in die nächste Hängematte werfen möchte.

Vergessen Sie’s. Die ITB-Welt ist keine Wellnessoase, auch wenn freundliche Menschen aus Sri Lanka (Halle 5.2a) mit Ayurveda-Massagen und Kräutertees locken. Wer sich hier in die Schlange stellt, hat die ITB nicht begriffen. Denn sie ist eine einzige Herausforderung für Sinne und Muskeln.

Nehmen wir’s sportlich. Polen (15.1) hat angesichts der bevorstehenden Europameisterschaft gleich ein ganzes Fußball-Haus samt Rasenbelag hingezimmert. Auf Spielkonsolen können Besucher die ersten Begegnungen schon mal selbst auskicken. Die Ukraine (2.1) hält mit und bietet am Stand ihrer Stadt Charkiw digitale Fußballspiele. Können wir’s nicht ganz real krachen lassen? Klar, bei A & O Hostels (4.1., Stand 100). Da steht eine Torwand, auf die man ballern kann – gemeinsam mit den Mädels von Union Berlin . Autogrammjäger werden sich am Sonntag am Stand der Deutschen Bahn (4.1) auf die Lauer legen. Es sollen HerthaSpieler kommen. Und sollten sie am Vortag in Köln gewonnen haben, kommt womöglich gar König Otto.

Das Tolle an der ITB ist auch, dass sie alle Generationen unterhält. Unbedingt familientauglich, also. Ältere sollten bei Andalusien (4.2., Stand 108) vorbeischauen. Die Region präsentiert sich so wie vermutlich schon bei der ersten ITB 1966: mit Flamenco, iberischem Schinken und Wein. Einen Torero haben sie nicht mitgebracht, weil sie wohl ahnen, dass Berliner eher keine Stierkampffans sind. Nostalgisch wird es in Hessen (7.2.). „Gemeinsames Singen stimmt auf das Deutsche Chorfest ein“, wirbt das Ländle und verspricht „Entspannung bei Vogelgezwitscher“. Wen wundert’s, dass dort nicht nur die Weinkönigin, sondern auch die Apfelweinkönigin ihre Aufwartung machen will.

Haben die rund um Frankfurt am Main denn keinen Funpark? Nichts, wo man über eine Slackline balancieren, Fingerskateboarding oder Speed Stacking ausprobieren kann? Das geht im Camp Adventure (4.1.), und spätestens hier werden sich alle Jugendlichen von ihren Eltern verabschieden und ihnen zurufen: „Macht die Allgäu-Orient-Rallye doch allein.“ Dabei könnte diese Tour durch mehrere Hallen ein Knaller werden. Über Nord-Zypern, Aserbaidschan bis nach Jordanien führt sie – und am Ende winken schöne Urlaubspreise. Jugendliche bleiben trotzdem lieber in Halle 4.1. Denn hier, bei Globetrotter, können sie sich über die Baumwipfel des Regenwaldes hangeln.

Keine Zeit für Ägypten, das Partnerland der Messe. Aber zum Glück verharrt das Land nicht in seiner Halle 23a, sondern ist mittels „Walking Acts“ praktisch auf dem gesamten Messegelände unterwegs. Das sind „verkleidete Figuren, die das Publikum bespaßen“, erklärt eine Tourismussprecherin von Visit Berlin. Sie weiß es genau, weil Berlin und Brandenburg ebenfalls kostümierte Menschen durch die Hallen schicken. So könnte es sein, dass Kleopatra gemeinsam mit dem Alten Fritz und Herthinho aufs Foto zu bannen ist. Toll. Am Ende des Tages stellt sich das typische ITB-Gefühl ein: So viel gesehen – und noch mehr verpasst. Die Welt ist nicht nur viel zu groß, sondern leider auch anstrengend.

Utah kann helfen. Zum Kinostart „John Carter from Mars“, der in dem US-Bundesstaat gedreht wurde, werden am Stand 354 (Halle 2.1.) „Mars Überlebenspakete“ verlost. Wer eines ergattert, sollte es bunkern – für die nächste ITB. 2013 wird übrigens Indonesien das Partnerland sein, und das ist ja berühmt für Wellnessbehandlungen und Wohlfühlservice. Vielleicht bietet Indonesien dann sogar, was sich jeder Besucher am Ende eines ITB-Tages wünscht: eine Fußmassage, bitte.

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