Berlin : Die West-Berliner Lösung

Der eine hatte Kondition beim Regieren, der andere beim Feiern. Jetzt sollen sie ein Team werden: Der Anwalt und ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen soll Harald Juhnke betreuen

Fatina Keilani

Was für ein Paar. Der eine verkörpert so sehr Berlin wie der andere, über Jahrzehnte waren sie da, beide mit Kondition, der eine beim Regieren, der andere beim Trinken. Jetzt könnten sie ein Team werden: Eberhard Diepgen soll künftig als Betreuer für die Persönlichkeitsrechte von Harald Juhnke zuständig sein. Auf diese Idee ist Juhnkes Anwalt Nicolai Siddig gekommen. Er sieht darin die einzige Chance zum Frieden.

Susanne Juhnke, die Ehefrau des Entertainers, ist derzeit sehr erfolgreich mit ihren Memoiren, auch Haralds Exzesse kommen darin vor, und Peer Juhnke, seinem Sohn aus erster Ehe, passte das ganz und gar nicht. Ob es ihm darum ging, die Ehre des Vaters zu retten, oder ob er Susanne Juhnke das viele Geld neidete, das sie mit dem Werk verdiente – darüber kann man spekulieren. Jedenfalls scheiterte Peer Juhnke mit dem Versuch, sich als Harald Juhnkes Betreuer einsetzen zu lassen und Susanne Juhnke aus dieser Position zu verdrängen. Seine Klage vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) hatte aber den Erfolg, dass das Gericht den Berliner Rechtsanwalt Johannes Eisenberg einsetzte, der Juhnkes Persönlichkeitsrechte wahrnehmen sollte.

Siddig kann über das Urteil aus Frankfurt nur den Kopf schütteln: „Wir waren zu einer Anhörung bei Juhnke im Heim. Er hat seinen Sohn nicht erkannt und seine Frau auch nicht.“ Jeder habe sehen können, dass der Mensch nur noch Hülle sei. Wie die Frankfurter Richter auf die Idee kommen konnten, Eisenberg könne zu Juhnke ein Vertrauensverhältnis aufbauen und mit ihm über Persönlichkeitsrechte reden, sei ihm schleierhaft. Niemand könne das heute mehr.

Es kam zur Parallelität zweier Gerichtsverfahren. Denn kaum war der medienrechtlich versierte Eisenberg bestellt, versuchte er vor dem Berliner Landgericht auch schon, einige Passagen des Buches verbieten zu lassen. Unterdessen befasste sich in Brandenburg die nächste Instanz mit der Frage der Betreuung – und gab Susanne Juhnke alle Rechte zurück. Kuriose Folge: Bei der Klage gegen das Buch war nun plötzlich Susanne Juhnke Klägerin und Beklagte zugleich; sie als Vertreterin Juhnkes klagte praktisch gegen sich als Autorin. Sie nahm die Klage zurück.

Die Brandenburger Richter schlugen vor, dass sich die Parteien auf jemanden einigen sollten, mit dem beide Seiten als Betreuer leben könnten. So kam Siddig die Idee mit Diepgen. „Er ist Rechtsanwalt, die beiden kannten sich gut, waren befreundet, und vor allem: Diepgen ist völlig neutral und steht außerhalb des Streits“, sagt Siddig. Diepgen hat sofort gesagt, dass er bereit dazu ist; er wolle sich aber mit öffentlichen Äußerungen zurückhalten, bis Peer Juhnke sich einverstanden erklärt hat. Siddig hat ihm geschrieben. Eine Antwort hat er noch nicht bekommen.

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